Basisinformation

Győr, 12.06.2013

Das Presswerk

Starke Anlagen brauchen mächtige Fundamente: Das Presswerk in Győr ruht auf einer fugenlosen Stahlbetonplatte von 1,5 Meter Stärke, die acht Meter tief im Boden liegt. 360 Bohrpfähle von 15 Meter Länge und 0,8 Meter Durchmesser tragen die Platte. Die bebaute Fläche ist 26.000 Quadratmeter groß und bietet für bis zu 140 Beschäftigte Platz.

Das Herzstück des Presswerks ist eine große Pressenstraße mit der Bezeichnung Servo-PXL – die erste bei Audi. Gegenüber der Vorgängergeneration ist die Anlage komplett neu konzipiert. Die wichtigste Innovation sind die 14 dezentralen Servomotoren als elektronisch gesteuerte Einzelantriebe, die den großen, zentralen Antriebsstrang ersetzen. Sie sind nicht nur deutlich effizienter, sondern erlauben auch eine hochflexible Anpassung der einzelnen Funktionen an die Gegebenheiten. Gemeinsam leisten die Servomotoren 5.460 Kilowatt.

Wenn die sechs Stößel der Servo-PXL beim Abwärtsgang abbremsen, gewinnt die Presse Energie zurück. Im Untergeschoss des Presswerks sind sieben generatorische Speicher installiert, deren Rotoren als Schwungräder fungieren. Sie speichern die Energie für wenige Sekunden und schicken sie dann zum Antrieb in die Maschine zurück. Eine weitere Stärke der neuen Presse ist der schnelle Wechsel der Werkzeuge; sie wiegen bis zu 60 Tonnen und werden von Kränen transportiert, die auf Schienen unter der Hallendecke laufen. Der Wechsel erfolgt vollautomatisiert und dauert nur drei Minuten.

Mit 93 Meter Länge, 22 Meter Breite und 12 Meter Höhe baut die Servo-PXL vergleichs-weise kompakt, weil eine neuartige Technologie die Zwischenablagen beim Weitertransport der Bleche in ihrem Inneren überflüssig macht. Mit insgesamt 8.100 Tonnen Schließkraft kann die neue Großpresse pro Minute 17 Hübe ausführen. Sie kann pro Tag bis zu 250 bis 300 Tonnen Stahlblech und Aluminium verarbeiten und daraus 22.000 bis 24.000 Teile herstellen.

Das Management der gewaltigen Kräfte ist diffizil. Um die hohen Qualitätsstandards von Audi einzuhalten, bedarf es hochqualifizierter Mitarbeiter mit scharfem Auge und großem Fingerspitzengefühl – bei der Kontrolle der fertigen Teile und beim Fahren der Anlage. Jedes Werkzeug will individuell gehandhabt werden, und auch bei den Blechplatinen treten immer wieder gewisse Abweichungen auf.

Aus diesem Grund untersucht die vorgeschaltete Bandschneideanlage die Platinen, die sie aus den großen Stahlbändern („Coils“) schneidet, mit einem elektromagnetischen Verfahren auf ihre Dichte. In der Presse selbst sind weitere Messtechniken zum Teil bereits installiert, zum Teil vorgesehen. Zu ihnen gehören die so genannten intelligenten Werkzeuge, bei denen Sensoren beobachten, ob das Blech beim Pressen optimal eingezogen wird. Falls nicht, wird der Einzug entsprechend nachgeregelt – für die Audi-Präzision im Hundertstel-Millimeter-Bereich.

Der Materialkreislauf im Presswerk Győr ist vollständig geschlossen. Dank intelligenter Materialnutzung ist der Verschnitt von Vorneherein gering – aus dem Fensterausschnitt der Tür beispielsweise entstehen zwei Tankdeckel. Was an nicht nutzbarem Material noch übrigbleibt, wird gesammelt, zu Würfeln gepresst und dem Recycling zugeführt.

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