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Neckarsulm, 08.07.2013

Audi Sport customer racing - Anatomie eines Erfolgstyps

Die Motorsport-Profis von Audi Sport customer racing halten für Kundenteams zwei schnelle Autos bereit – den R8 LMS ultra und den TT RS in seiner Rennversion. In der vergangenen Saison fuhr der große GT-Rennsportwagen von Sieg zu Sieg.

Die enge Verwandtschaft des Audi R8 LMS ultra mit dem Serien-R8 ist das Ergebnis einer konsequenten Strategie – schon zu Beginn der R8-Entwicklung stand die Eignung für den Motorsport im Lastenheft. Romolo Liebchen, der heutige Chef von Audi Sport customer racing, hatte die Aufgabe, die dafür notwendigen Potenziale sicherzustellen. So konnte er beispielsweise die Kollegen aus der Serienentwicklung von der Konstruktion einer Doppelquerlenker-Hinterachse überzeugen, die gute Einstellmöglichkeiten für den Renneinsatz bietet. Auch mit dem Audi Design gab es verschiedene Themen abzustimmen, vornehmlich im Heckbereich. Das Ergebnis dieser Diskussion war ein Straßensportwagen von dynamischer Eleganz mit guten motorsportlichen Qualitäten.

Das fertige Produktionsmodell liefert mehr als 50 Prozent der Teile für das Rennauto. Dieser ungewöhnlich hohe Anteil unterstreicht die sportliche Kompetenz des Serien-R8 und hält zugleich die Kosten für den Kunden in Grenzen, verglichen mit einigen Wettbewerbern. Audi Sport customer racing bietet den R8 LMS ultra für 339.000 Euro plus Steuern an.

Nicht nur die Entwicklung, auch die Produktion verläuft zwischen Renn- und Straßen-R8 eng verzahnt – das Begeisterungspotenzial für die ganze Mannschaft der quattro GmbH ist hoch. Die Spezialisten im Karosseriebau am Standort Neckarsulm koppeln den Space Frame des R8 LMS ultra aus dem Fertigungsprozess aus und versehen ihn mit den speziellen Aufnahmepunkten für das Fahrwerk – der Rennwagen liegt erheblich tiefer als das Straßenauto. Der Unterboden erhält Aufnahmen für die pneumatischen Wagenheber, die Zelle bekommt den Sicherheitskäfig aus Stahl eingeschweißt. Danach durchläuft die Karosserie die kathodische Tauchlackierung, wie beim R8 üblich.

Wegen des Käfigs ist der Audi R8 LMS ultra im Rohbau 56 Kilogramm schwerer als das Serienauto, doch nach seiner Fertigstellung wiegt er ohne Betriebsstoffe nur 1.250 Kilogramm. Seine Außenhaut besteht mit Ausnahme des Dachs aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK), sie ist 80 Millimeter breiter als beim Serienmodell und trägt einen großen Heckflügel. Bei der Montage in der Werkstatt von Audi Sport customer racing am Außenstandort Heilbronn-Biberach bleibt eine Menge Ausstattung außen vor – von der Klimaanlage über die Dämmmaterialen bis zu vielen Komponenten der Bordelektronik. Ohne den Motor umfasst die Stückliste rund 4.000 Teile, 1.000 weniger als beim Serien-R8. An einem R8 LMS ultra arbeiten zwei spezialisierte Monteure rund zehn Tage lang.

Der 5,2-Liter stammt, abgesehen von den verstärkten Lagerschalen, komplett aus dem Regal. Auch der Ansaugtrakt ist weitgehend serienmäßig, er erhält lediglich Platz für die beiden Luftmengenbegrenzer, die die Leistung je nach Reglement limitieren. Der Wasserkühler ist im Chassis etwas zurückversetzt, damit der Rennwagen nach einer leichten Kollision noch fahrfähig bleibt. Der Motor bewältigt alle Anforderungen im Rennbetrieb mühelos – das gilt auch für 24-Stunden-Rennen, bei denen die Distanzen rund 4.000 Kilometer betragen, mehr als die Hälfte davon unter Volllast. In der Regel kommt der V10 eine Saison, etwa 20.000 Kilometer Distanz, ohne Revision aus.

Bei der Kraftübertragung geht der Audi R8 LMS ultra eigene Wege. Das speziell entwickelte Renngetriebe besitzt eine pneumatische Schaltbetätigung, die der Fahrer über Wippen am Lenkrad steuert. Reglementsbedingt strömen die Kräfte ausschließlich an die Hinterräder. Die Radträger und die Lenkung stammen aus der Serie, die verstellbaren Stabilisatoren sowie die Federn und Dämpfer hingegen sind Renn-Teile. In der Rennsport-Bremsanlage sind Stahlscheiben im Einsatz, die einen schnellen Wechsel der Beläge erlauben; die Räder haben 18 Zoll Durchmesser.

Das Feuerlöschsystem kommt aus dem Le-Mans-Prototyp von Audi; es ist teurer als konventionelle Anlagen, aber auch erheblich wirksamer. Beim Rennsitz handelt es sich um eine Neukonstruktion aus CFK; ähnlich wie die Schnelltankanlage übertrifft er die geforderten Sicherheitsstandards deutlich. Die Türen aus CFK reduzieren das Gewicht und steigern zugleich mit ihren energieabsorbierenden Crashschäumen die passive Sicherheit.

Für die Saison 2013 entstehen zwei Dutzend neue Audi R8 LMS ultra, damit wächst die Gesamtzahl aller jemals gebauten R8 GT-Rennautos auf 120. Vor wenigen Wochen hat die quattro GmbH das 100. Exemplar des R8 LMS ultra komplettiert. Für die Saison 2013 erhält der Rennwagen eine Reihe von Verbesserungen. Sie betreffen die Aerodynamik, die Anlenkpunkte der vorderen Achsaufhängung und die Räder.

Der neue GT-Rennwagen soll eine große Erfolgsstory fortschreiben. Schon von 2009 bis 2011 hat der R8 LMS 13 internationale Titel geholt, in der vergangenen Saison kamen fünf neue Meisterschaften hinzu. 2012 errang kein Wettbewerber mehr GT-Siege als Audi. 18 Erfolge schmücken die Bilanz, darunter vier bei harten Langstreckenrennen – bei den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, in Spa und Zolder sowie beim 12-Stunden-Rennen im australischen Bathurst.

Der Kundensport mit dem R8 LMS ist ein internationales Business. 2012 hat Audi in China einen Markenpokal ins Leben gerufen, den R8 LMS Cup. Zugleich engagiert sich die Marke in Nordamerika. Hier startete der überarbeitete Audi R8 GRAND-AM im Januar 2013 gleich stark in die neue Saison – mit dem Sieg in der GT-Kategorie bei den 24 Stunden von Daytona. Audi Sport customer racing unterstützt seine Kundenteams weltweit – das Teilelager umfasst 4.650 Positionen, im vergangenen Jahr gingen 47.862 Teile in 817 Lieferungen an 42 Kunden. Abseits des regulären Rennbetriebs können Audi-Kunden Trainingskurse mit dem R8 LMS ultra buchen; das dreistufige Programm führt bis zu Renneinsätzen auf dem Nürburgring.

Seit 2011 flankiert der TT RS die Kundensport-Aktivitäten. Der kompakte Rennwagen ist speziell auf die Klasse SP4T der VLN-Langstreckenmeisterschaft zugeschnitten – er ist ein Spezialist für die Nürburgring-Nordschleife. Der aus der Serie stammende Fünfzylinder-Turbo leistet 280 kW (380 PS); der Fahrer betätigt das Renngetriebe sequenziell. Der Antrieb erfolgt über die Vorderachse – dank ihrer aufwendigen Kinematik und der effizienten Aerodynamik hat der TT RS eine hervorragende Traktion und ein angenehmes Handling.

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