Basisinformation

Das LMP1-Reglement für 2014

Ingolstadt, 12.12.2013

Neue Spielregeln für maximale Effizienz und Sicherheit

Wenn das neue LMP1-Reglement 2014 in Kraft tritt, werden viele Grundlagen umgewälzt. In mehr als 100 Jahren Rennsport bemühten sich die Reglement-Verantwortlichen zumeist darum, die Motorleistungen zu begrenzen, um Auswüchse zu verhindern. Im neuen Regelwerk der WEC wird die Motorleistung nicht mehr wie sonst über den Hubraum, die Zahl der Zylinder oder über Luftmengenbegrenzer eingeschränkt. Stattdessen wird der Energieverbrauch des Rennwagens in den Mittelpunkt gestellt.

Der Gedanke ist gewöhnungsbedürftig: Bislang war der Turbodieselmotor des Audi R18 e-tron quattro auf 3,7 Liter Hubraum begrenzt, Ottomotoren der LMP1-Rennwagen durften maximal 2 Liter (Turbo) oder 3,4 Liter (Sauger) groß sein. Ab 2014 gehört der Hubraum nicht mehr zu den begrenzenden Faktoren. In der Vergangenheit bezog der Motor seine Luft durch einen Luftmengenbegrenzer (im Fall des V6 TDI von Audi: 45,1 Millimeter), in Zukunft dürfen Benzin- und Dieselmotoren frei „atmen“. Bislang galten bei aufgeladenen Motoren moderate Ladedruckbegrenzungen (Diesel: 2,8 bar; Otto: 2,5 bar), ab sofort sind 4 bar erlaubt – eine neue Herausforderung.

Energie und ihr Verbrauch werden zur zentralen Kategorie. Künftig definieren Energietabellen den maximalen Verbrauch pro Runde. Automobilhersteller müssen sich für eine von vier Energieklassen entscheiden. Die Tabelle erlaubt eine maximale Menge an zurückgewonnener Hybrid-Energie, die auf eine bestimmte Weise wieder eingesetzt werden darf, in Verbindung mit einem absoluten Kraftstoffverbrauch pro Runde. Durchflussmessgeräte in allen Rennwagen kontrollieren diese Verbrauchswerte und geben die Daten in jeder Runde an die Organisatoren weiter. Dasselbe geschieht mit den Energiemengen des Hybrid-Systems. Eine taktische Aufteilung des Kraftstoffverbrauchs auf die gesamte Renndistanz wird damit unmöglich. Stattdessen muss jegliche Überschreitung der vorgeschriebenen Maximalwerte innerhalb von drei Rennrunden wieder ausgeglichen werden, sonst drohen Strafen. Um in einer gegebenen Zeit am weitesten zu kommen, zählen also nur der effizienteste Rennwagen und der entsprechende Fahrstil des Piloten.

Weitere Schritte verändern einige bislang gültige, grundsätzliche Maße. Erstmals, seit Audi 1999 in den Prototypen-Rennsport eingestiegen ist, verringert sich die Breite der LMP1-Rennwagen von maximal zwei Meter auf 1,90 Meter. Auch die Räder fallen 2014 deutlich schmaler aus. Das Gewicht der Rennwagen darf auf bis zu 870 Kilogramm gesenkt werden.

Einen zweiten Schwerpunkt setzt das neue Reglement bei der Sicherheit. Um die Sicht aus dem Cockpit zu verbessern, wird die Sitzposition der Rennfahrer verändert. Die Piloten sitzen jetzt aufrechter im erhöhten Cockpit, ihr Blickwinkel nach vorn fällt großzügiger aus. Aussparungen am hinteren Ende der vorderen Kotflügel optimieren die Sicht zur Seite. Neben der aktiven verbessert sich auch die passive Sicherheit nochmals. Die Konstruktion des Monocoques ist auf höhere Lasten ausgelegt. Spezielle äußere Lagen schützen vor dem Eindringen spitzer Gegenstände, die bei Unfällen das Monocoque durchbohren könnten. Radhalteseile helfen bei Unfällen, das Ablösen von Rädern mit Radaufhängungen zu verhindern. Erstmals verfügen LMP1-Rennwagen ab 2014 auch über Crashboxen am Heck des Fahrzeugs, um Energie bei rückwärtigen Aufprallsituationen besser zu absorbieren. 

Selten hat es im Motorsport ein so grundlegendes Umdenken gegeben. Die Summe aller Maßgaben im neuen Reglement zwang die Konstrukteure von Audi wie auch die der übrigen Teilnehmer zum Bau eines ganz neuen Rennwagens.

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Verfügbare Dokumente

Audi R18 e-tron quattro 2014 - Basisinformation
(PDF, 236 KB)