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Ingolstadt, 10.05.2012

Dicht besiedelt: Umweltschutz im Werk Brüssel

One world, one standard – bei Audi gilt das nicht nur für die Qualität der Automobile, sondern ebenso für die Ressourcenschonung an den weltweiten Produktionsstandorten. So säubern im Werk Brüssel Bakterien das Schmutzwasser und Akkus werden zu einem zweiten Leben erweckt.

Das Geheimnis verbirgt sich in kleinen, schwarzen Kunststoffwürfeln: Darin ‚wohnen‘ unzählig viele, mikroskopisch winzige, aerobe Bakterien. Ihr Auftrag: Schmutz fressen. Und den erfüllen sie sehr effektiv, hier im Klärbecken der großen Fahrzeug-Waschanlage im Werk Brüssel. Täglich laufen rund 500 nagelneue Audi A1 durch diese Anlage am Ende der Montagestraße, und rund 300.000 Liter Wasser sind im ständigen Umlauf.

Das Schmutzwasser läuft in ein Auffangbecken, in dem ein Schlammfang die Verunreinigungen sammelt. Das gefilterte Wasser wird anschließend in das Becken mit den Bakterien gepumpt. Diese ‚sitzen‘ auf den Kunststoffwürfeln, wachsen prächtig, wenn ihnen genug Sauerstoff zugeführt wird, und ‚fressen‘ die verbliebenen Schmutzreste im Wasser. Statt wie früher 150 Liter Wasser pro Auto gehen dadurch heute nur noch 30 Liter verloren – größtenteils durch Verdampfung. Die neue Anlage hat aber auch noch einen weiteren Vorteil, den besonders die Mitarbeiter schätzen. „Seit die Bakterien das Wasser reinigen, stinkt das Schmutzwasser nicht mehr“, sagt Anlagenplaner François Cauwe. So ist Umweltschutz immer auch Mitarbeiterschutz.

Die schmutzfressenden Bakterien sind nur ein Beispiel für die ressourcenschonenden Aktivitäten im Werk Brüssel. In den letzten fünf Jahren hat sich in der ‚Geburtsstätte‘ des Audi A1 einiges getan: Insgesamt wurden über 100 Projekte und Maßnahmen initiiert, die das Werk zu einem effizienten Produktionsstandort in allen Bereichen machen.

So arbeitet beispielsweise die Lackiererei in Brüssel heute mit Flatstream-Düsen. Statt einem Arbeitsdruck von 120 Bar benötigen sie nur noch 30 bis 40 Bar, um Abdichtmasse auf die Karosserien aufzutragen. Dadurch entstehen weniger Sprühverluste, zudem kann die PVC-Masse noch dünner als zuvor aufgetragen werden. Mehr als zwei Kilogramm Material pro Fahrzeug werden gespart. Seit in der Lackiererei alle PVC-Anwendungen durch Kameravermessung gesteuert werden, kann noch schneller appliziert und sogar auf zusätzliche Plastikabdeckungen verzichtet werden, die vor Farbspritzern schützten und danach verbrannt wurden.

Neben den neuen Düsen tragen zusätzliche Recyclingmaßnahmen zur Effizienz der Lackiererei in Brüssel bei. So werden alle anfallenden Materialreste gefiltert, zurück ins Silo gepumpt und anschließend wiederverwertet. Dieses Verfahren spart mehr als 2.000 Kilogramm PVC-Masse pro Monat.

Früher wurden rund 14 Kilogramm Abdichtmasse für ein Auto benötigt. Durch die Effizienzmaßnahmen und Veränderungen im Fahrzeugdesign konnte dieser Wert halbiert werden. Für Chris Merckx, Koordinator Instandhaltung Lackiererei, ist das Einsparpotential damit allerdings noch nicht ausgeschöpft. „Ziel ist es, den Materialverbrauch pro Fahrzeug auf sechs Kilo zu reduzieren“, sagt er. Kein unrealistisches Vorhaben, denn im Lager wartet schon die nächste Generation Roboter. Diese bewegen sich dreidimensional gegenüber den alten Schwellerautomaten und können damit Linien noch präziser auftragen als bislang.

Für die Einhaltung höchster Umweltschutz-Standards wurde das Werk 2010 erneut von der Region Brüssel als „ecodynamisches Unternehmen“ ausgezeichnet und erzielte mit drei Sternen die Bestwertung des regionalen Umweltzertifikats. Seit 2002 wird das Werk in Brüssel zudem jährlich nach dem Öko-Audit* der Europäischen Kommission EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) zertifiziert.

Didier Dobbelaere hat seinen persönlichen Teil dazu beigetragen. Der Leiter der Montageversorgung kam vor einigen Jahren auf die Idee, die Speicherfähigkeit von gebrauchten Akkuschraubern zu optimieren. Ihm war aufgefallen, dass viele ihrer Batterien aufgrund der hohen Beanspruchung in der Montage schon nach wenigen Monaten weggeworfen werden mussten. Die Ladekapazität war im Laufe der Zeit zu gering geworden. Nach zwei Jahren Forschung entstand ein Speicherschrank, in dem abgenutzte Batterien drei Tage lang kontinuierlich auf- und entladen werden. Damit lässt sich die Speicherkapazität wieder erhöhen und die Lebensdauer der Akkus verlängert sich durch dieses Verfahren um bis zu mehrere Jahre.

Von den Akkus, die entsorgt werden müssen, behalten Dobbelaere und seine vier Kollegen, die sich neben ihrem Tagesgeschäft in der Montage dem Akku-Recycling widmen, das Gehäuse und andere Kleinteile zurück. So haben sie sich ein Materiallager geschaffen, mit dem sie kaputte Batterien reparieren können. Mit Erfolg. „Mittlerweile sind wir hier so anerkannt, dass viele Kollegen vorbeikommen und sogar Handy-Akkus bei uns optimieren lassen wollen“, sagt Dobbelaere und lacht.

Bakterien - Die Putzkolonne der Natur
Die bakterielle Abwasserreinigung mit aeroben Bakterien ist keine Neuerfindung, denn sie beruht auf dem Prinzip der Selbstreinigungskraft natürlicher Gewässer. Unzählige aerobe Bakterien unterschiedlichster Art bauen dabei selbsttätig organische und anorganische Schadstoffe wie etwa komplexe Kohlenstoff-, Stickstoff- oder Phosphorverbindungen ab. Das Einzige, was sie dazu benötigen, ist genügend Sauerstoff.

Interview mit einem Bakterium

Könnten Sie uns Ihren klassischen Arbeitstag beschreiben?
Wissen Sie, als Arbeit würde ich die Wasserreinigung nicht bezeichnen. Es ist schließlich eine Win-win Situation. Für Bakterien wie mich sind Schadstoffe im Wasser Energiequelle und Nahrung zugleich. Dass auch der Mensch davon profitiert, ist doch ein wunderbares Beispiel für Synergie.

Und wie sieht Ihre Nahrungsaufnahme genau aus?
Wenn das verunreinigte Wasser bei uns ankommt, ist das quasi ein Festmahl. Wir nehmen Schadstoffe durch unsere Zellwand auf und verwerten sie mithilfe von Sauerstoff. Übrig bleibt hinterher hauptsächlich harmloses Kohlendioxid und Wasser. Sollten die Augen mal wieder größer als der Magen gewesen sein, können wir Stoffe, die wir nicht sofort verarbeiten, auch bei uns lagern.

Wie leben Sie im Wasser?
Meine Kollegen und ich bilden, dichtgedrängt, einen so genannten Biofilm und der ist an eine Feststoff-Oberfläche, die Schaumstoff-Würfel, gebunden. Damit wir nicht mit dem Wasser davon getragen werden. Da muss man natürlich Glück haben, dass man sich mit seinen ‚Mitbewohnern‘ versteht. Allerdings ist die Fluktuation recht groß. Denn in so einem Biofilm entstehen ständig neue Mikro-Organismen. Bei uns ist eben immer etwas los.

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