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Ingolstadt, 10.05.2012

Klarer Fall: Wasser im Kreislauf

Eine Automobilproduktion benötigt Wasser. Um diese kostbare Ressource zu schonen, wird Audi in naher Zukunft fast ausschließlich Betriebswasser im Kreislauf nutzen. Damit soll das Werk noch weniger Frischwasser verbrauchen und noch weniger Abwasser erzeugen.

Wasser ist der Ursprung allen Lebens. 70 Prozent der Erde sind damit bedeckt, doch nur ein Prozent davon ist verfügbares Süßwasser. Nicht umsonst trägt Wasser den Beinamen ‚blaues Gold‘. Audi weiß um die Bedeutung dieser Ressource: Durch die Nutzung eines Membranbioreaktors (MBR) werden die wassersparenden Prozesse am Standort Ingolstadt kontinuierlich optimiert.

In dem Reaktor auf dem Werksgelände wird das Abwasser künftig in zwei Stufen aufbereitet. Zunächst reinigen Bakterien das Wasser: Sie bauen organische Schadstoffe wie Lacklösemittel ab, während sie anorganische Schadstoffe wie Schwermetalle – zum Beispiel Nickel und Zink – an ihrer Oberfläche binden und diese somit zurückgehalten werden. In einem zweiten Schritt verhindern Membranen, dass die Bakterien ins Abwasser kommen. „Diese so genannte Ultrafiltration fehlt bei konventionellen Kläranlagen. Wir nutzen dabei Membranen mit einer Durchlässigkeit unterhalb des Mikrometerbereichs. Die sind so fein, dass sie eine absolute Barriere für Bakterien und Viren darstellen“, erklärt Dr. Antje Arnold vom Betrieblichen Umweltschutz. „Das aufbereitete Abwasser hat dadurch eine sehr gute Qualität und kann als Betriebswasser wiederverwendet werden.“

Durch die MBR-Technik wird der jährliche Frischwasserbedarf für die Produktion in Ingolstadt um bis zu 40 Prozent reduziert – 500 Millionen Liter werden so gespart.

Der Abwasseranteil soll um bis zu 50 Prozent sinken, der Sonderabfall um bis zu 20 Prozent. Ein klarer Wettbewerbsvorteil für Audi: „Weltweit nutzt noch kein anderer Automobilhersteller einen Membranbioreaktor, um Wasser im Kreislauf zu nutzen“, unterstreicht Arnold. Erste Tests mit einer kleinen Versuchsanlage verliefen bereits über mehrere Monate hinweg erfolgreich. Derzeit wird die Großanlage geplant, ab Mitte 2014 soll die neue Technik offiziell eingesetzt werden.

Audi führt seinen energieeffizienten und schonenden Umgang mit der Ressource Wasser damit konsequent fort. Zur Zeit werden im Ingolstädter Werk zwei verschiedene Wasserqualitäten genutzt: Trinkwasser wird nur im unbedingt notwendigen Maße verwendet, etwa für die Duschanlagen der Mitarbeiter. Für alle anderen Zwecke wird Betriebswasser eingesetzt. So schöpft Audi sein Wasser beispielsweise aus den Lepsinger Quellen und werkseigenen Karstbrunnen. Doch die Förderung aus diesen Brunnen ist begrenzt. Da der Betriebswasser- und Kühlbedarf des Werkes in den kommenden Jahren durch neue Gebäude aber weiter steigen wird, sichert Audi mit der Einführung des Membranbioreaktors zukünftig die ökologische Wasserversorgung.

Ein weiterer Teil des Betriebswassers kommt direkt aus dem Himmel: Das Regenwasser wird auf 450.000 Quadratmetern Dach- und Parkplatzfläche gesammelt und in fünf Rückhaltebecken und zwei Stauraumkanäle geleitet. Bei Bedarf kann das Wasser von dort jederzeit entnommen werden.

Damit ein Teil des Betriebswassers nach der Nutzung wiederverwendet werden kann, wird es in einer Aufbereitungsanlage gereinigt. „Wir wollen dabei die bestmögliche Qualität erreichen“, betont Gerhard Scharrer, der im Ingolstädter Werk für die Wasser- und Abwasseranalytik zuständig ist. Der Diplom-Ingenieur wacht über alle Prozesse des Wasserkreislaufs: Zuerst werden die Schmutzpartikel in mehreren Stufen aus dem verwendeten Betriebswasser entfernt, danach wird der ph-Wert eingestellt. Anschließend gelangt das Wasser über eine Pumpstation im Wasserwerk wieder in die Produktion. „Dann beginnt der Kreislauf von vorne. Rund um die Uhr bereiten wir so unser Betriebswasser auf“, sagt Scharrer.

Bezieht man die Kühlkreislaufsysteme mit ihrem Jahresumsatz von knapp 36 Millionen Kubikmeter in die Rechnung mit ein, bleiben 95,8 Prozent des in Ingolstadt genutzten Wassers im Kreislauf des Werkes. Mit dem neuen Membranbioreaktor soll dieser Anteil auf über 97 Prozent erhöht werden. Aus Sicht von Antje Arnold eine sehr gute Perspektive: „Wir arbeiten schon jetzt sehr sparsam und nachhaltig mit unserem Wasser. Mit dem Membranbioreaktor gehen wir den nächsten großen Schritt auf dem Weg zur abwasserfreien Produktion.“

Mit dem Wasser-Fußabdruck wird die Wassermenge angegeben, die während der Herstellungsprozesse aller genutzten Produkte und Dienstleistungen in einem Land verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Die deutsche Bevölkerung verbraucht jährlich 160 Milliarden Kubikmeter Wasser – das entspricht der dreifachen Menge des Bodensees. Jeder Einwohner verbraucht direkt und indirekt 5.288 Liter pro Tag. Rund 50 Prozent davon entfallen auf den Wasserbedarf, der für das Importieren von Lebensmitteln und Industriegütern aus der ganzen Welt aufgewendet werden muss. (Quelle: WWF Deutschland)

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