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Ingolstadt, 10.05.2012

Mission possible

CO₂ neutraler Standort: Nachhaltige Mobilität beginnt bei Audi bereits im Werk: Das Unternehmen wird in absehbarer Zeit Ingolstadt zum CO₂ neutralen Standort erklären.

„Die Umweltbilanz eines Automobils muss schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer ausgeglichen sein“, ist Frank Dreves überzeugt. Als für die Produktion verantwortliches Mitglied des Vorstands der AUDI AG arbeitet er intensiv an der Verbesserung der CO₂-Bilanz, und das schon in der ‚Geburtsphase‘ eines neuen Fahrzeugs. Mit großem Erfolg: Audi ist auf dem Weg zu einem Kohlendioxid-neutralen Standort in Ingolstadt. Das heißt, dass die elektrische und die thermische Energie ausschließlich aus regenerativen Quellen stammen – von Biogasanlagen bis zu Wasserkraftwerken. „Autos und ihre Herstellung sollen die Umwelt so wenig wie möglich belasten“, betont Dreves. „Audi verknüpft zukünftig nachhaltige Mobilität mit einem klimaneutralen Standort.“

Seit 25 Jahren arbeitet Peter Kössler bei Audi. „Das Wachstum des Unternehmens in dieser Zeit war enorm“, erklärt der Werkleiter des Standorts Ingolstadt. 1986 brachte Audi rund 350.000 Automobile auf die Straßen, im Rekordjahr 2011 waren es bereits über 1,3 Millionen. Insgesamt mehr als 580.000 davon wurden am Stammsitz Ingolstadt produziert, dazu kamen viele Teillieferungen an andere Standorte im weltweiten Produktionsnetzwerk der AUDI AG. Trotz steigender Produktion und obwohl die Modelle der Gegenwart weitaus komplexer und aufgrund ihrer Ausstattung mit neuesten Technologien wesentlich aufwändiger herzustellen sind, hielt sich der Energiebedarf insgesamt auf einem stabilen Niveau.

Denn die Reduktion des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Emissionen ist schon lange ein zentrales Thema in der Weiterentwicklung der Standorte und Produktionsanlagen. So erhielt das schwere Heizöl als Energieträger bereits 1983 bei Audi Hausverbot. Dieses wird überwiegend aus Rückständen der Erdölverarbeitung hergestellt und noch heute in vielen Kraftwerken verwendet. Sein Nachfolger wurde das wesentlich umweltverträglichere, leichte Heizöl – ein sehr wichtiger Schritt für die damalige Zeit. Dies enthält weniger Verunreinigungen, einen deutlich geringeren Schwefelanteil und muss vor der eigentlichen Verbrennung nicht extra vorgewärmt werden. Durch die Umstellung konnten damals schon 5.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden werden.

Schon 1992 schwenkte Audi dann auf den Brennstoff Erdgas um, was die CO₂-Bilanz um 36.000 Tonnen pro Jahr erleichterte. Seit 1999 liefert in Ingolstadt eine effiziente Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung Wärme, Strom und Kälte zugleich – eine extrem effiziente Anlage und dazu eine technologische Pio­nierleistung von Audi. Hier produziert das Werk einen guten Teil des benötigten Stroms, der Wärme und auch der Kälte. Der sehr hohe Gesamtwirkungsgrad der KWKK-Anlage von fast 80 Prozent vermeidet gegenüber konventioneller Technologie 17.200 Tonnen Treibhausgas pro Jahr.

Ein weiteres, klar zukunftsweisendes Projekt war 2004 der Fernwärmeanschluss an die städtische Müllverwertungsanlage. Bislang lieferte er jährlich über 60.000 umweltschonende Megawattstunden Wärme, dadurch entfielen pro Jahr weitere 12.000 Tonnen CO₂. Im vergangenen Jahr verdoppelte Audi sogar seine Fernwärmenutzung auf 120.000 MWh. Weitere Schritte in Richtung 200.000 MWh Fernwärmenutzung sind geplant.

Auch die Ingolstädter Lackiererei wird nach dem Motto „Wärme rückgewinnen, statt neu erzeugen“ betrieben. Es werden hier konsequent Wärmeräder eingesetzt. Sie haben einen enorm großen Nutzwert: 60 Prozent der in der Abluft enthaltenen Abwärme kann über sie zurückgewonnen werden. Dies lohnt sich, denn in der Lackiererei am Standort wird alleine in den Lackierkabinen ein Volumen von rund 4,5 Millionen Kubikmeter Luft pro Stunde durch die Anlagen bewegt. Das entspricht dem Rauminhalt der Allianz-Arena. Im Jahr 2011 hat Audi die bereits vorhandenen 34 Wärmeräder durch neue, effizientere Wärmeräder ersetzt. Das vermeidet allein am Standort Ingolstadt jedes Jahr mehr als 16.000 Tonnen CO₂ oder 80.000 MWh Energie – der jährliche Wärmebedarf von rund 7.400 Einfamilienhäusern.

Neben diesen großen Projekten lenkt Peter Kössler den Blick auf die kleineren, manchmal eher unscheinbaren Maßnahmen. „Wir nehmen das Thema rundum ernst – auch wenn Mehrkosten in Kauf genommen werden müssen.“ Alle Mitarbeiter, ob in der Produktion, der Instandhaltung oder der Planung, seien angehalten, sich in ihrem persönlichen Arbeitsumfeld Gedanken zur Energieeffizienz zu machen. „Und viele Köpfe haben viele Ideen.“

So konnten die Ingenieure im Ingolstädter Presswerk durch die Umstellung von hydraulischen auf mechanische Pressen etwa 66 Prozent Energie einsparen. Zusammen mit einer kürzeren Nachlaufzeit der Antriebsmotoren für die Pressen vermeiden sie damit immerhin 50 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Die Anlagentechniker im Karosseriebau für den neuen Audi A3 sparen dank innovativer elektromotorischer Schweißzangen das früher notwendige, energiefressende Druckluftnetz.

Peter Kösslers Parade der Effizienzbeispiele geht weiter: moderne Diodenlaser und neueste Batterieladegeräte sparen Strom, effiziente Logistikwege vermeiden unnötige Fahrten in allen Gewerken. Und last but not least trägt das Verhalten jedes einzelnen Mitarbeiters sein Scherflein bei – und wenn es nur das Ausschalten unnötiger Beleuchtung im Pausenraum ist.

Natürlich wurde vieles geprüft und manches auch wieder verworfen. „Wir überlegen sehr genau, an welchen Stellen es Sinn macht, innovative und energiesparende Technologien einzusetzen“, betont Kössler. Auch die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Fotovoltaik auf den Dächern von Parkhäusern und Produktionshallen wurden gründlich geprüft. So kommen auf den Audi-Dächern lediglich Solarmodule zum Einsatz, die auch optimal recycelbar sind. Vielmehr testet Audi in Kooperation mit externen Partnern mehrere neuartige Modularten im Hinblick auf Effizienz, Wartung und Haltbarkeit. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung der Solarmodule. Eine innovative Fotovoltaik-Anlage mit besonders energieeffizienten Modulen befindet sich bereits auf der Fertigungshalle des neuen A3-Karosseriebaus. Sie erzeugen jährlich rund 460.000 Kilowattstunden regenerativen Strom und vermeiden dadurch circa 250 Tonnen Kohlendioxidemissionen.

Der jüngste Schritt in Richtung einer ausgeglichenen atmosphärischen Kohlendioxid-Bilanz ist der Bezug von Ökostrom am Standort: „Seit Januar 2012 bekommen wir regenerativ erzeug­ten Strom nach Ingolstadt. Damit vermeiden wir jedes Jahr mehr als 290.000 Tonnen CO₂“, freut sich Kössler. Der Strom wird aus deutschen und österreichischen Wasserkraftwerken geliefert – und zwar genau dann, wenn er benötigt wird. Die technischen Voraussetzungen sind vom TÜV Süd geprüft.

„Unabhängig von der Stromlieferung aus den Alpen wollen wir aber auch unseren eigenen Beitrag leisten“, bekräftigt Kössler „So denken wir beispielsweise auch über Windräder in der Nähe unseres Standortes nach. Das heißt nicht, dass wir den Ökostrom aus Wasserkraft ersetzen wollen. Es geht um zusätzlichen Energiegewinn aus erneuerbaren Quellen.“

„Unsere jetzigen Erfolge beim Umweltschutz ermutigen uns, weitere klimarelevante Schritte zu gehen“, betont Kössler. Ein nächster Meilenstein in Sachen CO₂ am Standort könnte die Umstellung der Brennstoffversorgung vollständig auf Biogas sein. „Wir erwarten dadurch eine jährliche Reduktion der Treibhausgase um etwa 123.000 Tonnen“, erklärt Kössler. Audi kann das aus der Vergärung von Biomasse gewonnene Biogas als Brennstoff auch in der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage einsetzen, wo es sein doppeltes Plus in Sachen Umweltverträglichkeit entfaltet: Es verbrennt klimaneutral, weil das freiwerdende Kohlendioxid zuvor von den Pflanzen gebunden wurde. Und gleichzeitig wird seine Energie mit höchstem Wirkungsgrad optimal genutzt.

„Wir denken auch schon über eine Biomasseanlage und ein so genanntes ORC-Kraftwerk (Organic Rankine Cycle) nach.“ Die Biomasse-Anlage könnte mit Holzhackschnitzeln als biogener Brennstoff betrieben werden. Hier legt der Werkleiter großen Wert darauf, dass dann lediglich Holzabfälle wie Randschnitt, Landschaftspflegematerial oder Schwachholz aus dem Wald verbrannt würden.

Mindestens 4.000 Tonnen CO₂ könnte ein ORC-Kraftwerk – integriert in das bestehende KWKK – vermeiden. Dieses Kraftwerk wird größtenteils aus der etwa 120 °C warmen Niedrigtemperatur-Abwärme wertvolle Energie zurückgewinnen. Arbeitsmittel sind (anstelle von Wasserdampf) organische Flüssigkeiten mit einer besonders niedrigen Verdampfungstemperatur, die eine Turbine antreiben. Damit lässt sich auch ein geringes Temperaturgefälle sinnvoll nutzen – mit Wärme, die sonst verloren gehen würde.

Diese Überlegungen zeigen: Klimaneutralität ist für Ingolstadt bereits greifbar. Und auch die anderen Audi-Standorte sollen folgen; für jeden existiert bereits eine individuelle Roadmap. „Bei der Neuplanung für unser ungarisches Werk in Győr konnten wir die Ergebnisse aus Ingolstadt sogar von Anfang an berücksichtigen“, unterstreicht Kössler.

Audi trägt mit wegweisenden technischen Innovationen schon jetzt zu großen Fortschritten im effizienten Umgang mit Ressourcen bei und führt das Markenzeichen der Europäischen Union für hervorragenden Umweltschutz. Im Jahr 2010 wurde der Standort Ingolstadt für sein Umweltmanagement und Engagement besonders ausgezeichnet: Als erstes Automobilunternehmen erhielt der Standort das Zertifikat der DEKRA für die Integration der neuesten europäischen Norm zum Energiemanagementsystem in die bestehenden Strukturen und Prozesse. Die Norm gibt hohe Anforderungen und Standards in Bezug auf eine stetige und systematische Reduktion des Energieverbrauchs vor – Audi wird ihr in vollem Umfang gerecht.

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