Pressemitteilung

Ingolstadt, 19.12.2013

20 Jahre Gruppenarbeit bei Audi

  • Wandel der Arbeitswelt als Chance für Innovationen
  • Mehr Eigenverantwortung, höhere Flexibilität und Integration
  • Dr. Frank Dreves: „Gruppenarbeit zentrales Element des Audi Produktionssystems“

Eigenverantwortlich Arbeitsabläufe organisieren, das ist Gruppenarbeit bei Audi. Bereits vor 20 Jahren hat die AUDI AG diese neue Arbeitsform in der Fertigung eingeführt. Davor gab in Arbeitsprozessen eine streng hierarchische Gliederung, und Mitarbeiter waren kaum in deren Gestaltung eingebunden. Heute arbeiten die Audianer eigenständig in Gruppen, sind für ihre Einheit selbst verantwortlich und in Veränderungsprozesse integriert. Das Konzept der Gruppenarbeit hat sich bei Audi bewährt und ist an den Produktionsstandorten der Vier Ringe längst gelebter Arbeitsalltag.

Cockpit montieren, Unterboden verschrauben, Lenkrad einbauen – bis ein Auto vom Band fährt, sind Tausende von Handgriffen zu erledigen. In der Audi-Produktion geschieht dies in Gruppenarbeit. In fast allen Bereichen sind die Mitarbeiter in kleine Teams eingeteilt, in denen je acht bis zwölf Mitarbeiter eng zusammenarbeiten. Die Idee dahinter: eine Form der Arbeitsorganisation schaffen, die sich stark am Menschen orientiert, ihn stärker in die Gestaltung von Arbeitsabläufen sowie den kontinuierlichen Verbesserungsprozess einbindet und für mehr Flexibilität sorgt.

„Als attraktiver Arbeitgeber steht bei Audi der Mensch im Mittelpunkt. Die Gruppen-arbeit ist eine ideale Arbeitsorganisation, in der unsere Mitarbeiter den Arbeitsprozess kreativ mitgestalten können“, betont Dr. Frank Dreves, Vorstand Produktion der AUDI AG. „Gruppenarbeit ist mittlerweile zum zentralen Element unseres Audi Produktionssystems geworden.“ So sorge sie für eine höhere Zufriedenheit von Mitarbeitern, betrieblichen Vorgesetzten und Führungskräften und sei eine wichtige Basis für Fortschritte in Qualität und Produktivität.

Bevor Audi 1993 die Gruppenarbeit eingeführt hat, war die Fertigung sehr hierarchisch organisiert. Der Meister teilte für seine Schicht das Personal ein, er war der zentrale Ansprechpartner in der Produktion. Die Mitarbeiter waren in ihrer Arbeit fremd bestimmt, so wurden zum Beispiel freie Tage maschinell zugeteilt und die Abwesenheit zentral gesteuert. Viele machten Tag für Tag dieselben Handgriffe, die Arbeit war monoton. Eigene Ideen einzubringen, war nahezu unmöglich.

Seither hat sich viel geändert: Die Gruppe organisiert sich und ihre Arbeitsaufgaben selbst, löst Probleme rasch eigenständig. Ihre Mitglieder teilen eigenverantwortlich ein, wer wann welche Tätigkeit in ihrem Abschnitt erledigt. Und sie bringen Ideen ein, wie Prozesse verbessert und Arbeitsplätze ergonomischer gestaltet werden können. Jeder Mitarbeiter beherrscht viele Aufgaben und wechselt daher während einer Schicht nach rund zwei Stunden an den nächsten Arbeitsplatz. Das sorgt für Abwechslung und vermeidet einseitige Belastung.

Eine besondere Funktion hat der Gruppensprecher, bei ihm laufen alle Informationen zusammen: Er kümmert sich darum, dass bei Schichtbeginn alle Arbeitsplätze besetzt sind, führt alle zwei Wochen Gruppengespräche, hilft, wenn jemand Unterstützung an der Linie braucht. So wie Rudolf Heinzlmeier. Seit 35 Jahren arbeitet er bereits in der A4-Montage, seit 20 Jahren ist er Gruppensprecher. Die Anfänge der neuen Organisationsform hat er hautnah miterlebt. „Als wir vor 20 Jahren die Gruppenarbeit eingeführt haben, war das eine riesige Umstellung“, sagt Heinzlmeier. „Dass die Mitarbeiter entscheiden, war für viele anfangs ungewohnt.“ Neu waren auch die Gruppenecken, wo sich die Audianer seither während ihrer drei Pausen pro Schicht zurückziehen können. Dort finden auch ihre Gruppengespräche statt.

Ein weiteres positives Resultat der Gruppenarbeit: Ältere Mitarbeiter und solche mit gesundheitlichen Einschränkungen werden in die Gruppe integriert, sie sind vollwertiges Mitglied. Aufgaben, die sie zum Beispiel aufgrund einer Einschränkung nicht ausführen können, kompensieren ihre Kollegen. „Wenn jemand eine bestimmte Aufgabe nicht übernehmen kann, dann besprechen wir das. Wir entscheiden gemeinsam, und das macht die Leute zufriedener“, sagt Heinzlmeier.

Derzeit sind insgesamt 2.794 Gruppen an den Audi-Standorten Ingolstadt, Neckarsulm, Győr und Brüssel im Einsatz – 1.227 davon in Ingolstadt und 777 in Neckarsulm. Die Form der Gruppenarbeit hat sich in den vergangenen 20 Jahren bewährt, davon ist Karl Unger, Leiter Produktionsstrategie, überzeugt. In seiner damaligen Funktion als Planer hat er die Entwicklung und Einführung der Gruppenarbeit bei Audi vor 20 Jahren maßgeblich mitgeprägt. „Unsere Mitarbeiter optimieren die Arbeitsabläufe innerhalb ihres Bereichs aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Ideen selbst“, betont Unger. „Das ist nur dank der flachen Hierarchie möglich. Kurze Entscheidungswege, eine hohe Problemlösungskompetenz und damit auch eine gesteigerte Produktivität sind besonders positive Resultate der Gruppenarbeit.“

Auch Klaus Schweiger, Leiter Personal Ingolstadt, unterstreicht deren Bedeutung: „Die Gruppenarbeit bringt nicht nur dem Unternehmen Vorteile, sondern auch den Mitarbeitern – etwa mehr Autonomie und ergonomisch bessere Arbeitsbedingungen. Wer die Kernaufgaben seiner Gruppe beherrscht, kann sich je nach Qualifikation weiterentwickeln – nicht nur innerhalb einer Gruppe, sondern auch darüber hinaus.“

Am Konzept der Gruppenarbeit will Audi auch in Zukunft festhalten. „Der Kerngedanke der Gruppenarbeit wird weiterhin bestehen bleiben“, sagt Unger. „Die Arbeitswelt verändert sich jedoch laufend – zum Beispiel durch die Elektrifizierung, die zunehmende Variantenvielfalt und Komplexität unserer Automobile sowie durch den demographischen Wandel. Schon heute nehmen diese Faktoren auf Arbeitsanforderungen und Arbeitsinhalte starken Einfluss.“ Darum hat sich die Marke mit den Vier Ringen zum Ziel gesetzt, die Arbeitsplätze noch attraktiver zu gestalten und noch stärker auf die individuelle Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen Mitarbeiters einzugehen. So werden für Gruppenarbeit intelligente Rotationskonzepte und verbesserte Trainingsansätze erarbeitet. Zudem denkt das Unternehmen bereits intensiv über moderne Standards der Gruppenarbeit nach, beispielsweise über innovative Konzepte zu Gruppenecken und die Integration neuer Medien.

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