Rede - Es gilt das gesprochene Wort -

Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG

Ingolstadt, 11.03.2014

Rede anlässlich der Jahrespressekonferenz 2014

1.Teil

Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir informieren Sie in der kommenden Stunde über ein außergewöhnliches Geschäftsjahr 2013 für den Audi-Konzern – und darüber, wie wir unser Unternehmen auch in diesem Jahr auf Erfolgskurs halten. Oder anders ausgedrückt: Welche Früchte hat unsere Arbeit getragen? Und wie bestellen wir unser Feld für die Zukunft? Neben bemerkenswerten Finanzkennzahlen berichten wir von unserem massiven Globalisierungsschritt in diesen Jahren, von unserer Produkt- und Technikoffensive, die wir weiter forcieren, und vom anhaltenden Volumenwachstum unseres Unternehmens.

Audi ist heute beliebter als je zuvor. Mehr als 1,57 Millionen Autokäufer haben sich 2013 für die Vier Ringe entschieden – 8,3 Prozent mehr als 2012. In nur vier Jahren haben wir mehr als 600.000 Kunden hinzugewonnen. 1,57 Millionen Automobile – Stoßstange an Stoßstange würde sich diese Audi-Flotte von Ingolstadt bis vor die Tore Pekings erstrecken.

In China alleine stehen fast 492.000 Auslieferungen zu Buche, gut ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Unser Vorsprung im Reich der Mitte ist heute so groß wie noch nie. Wichtige Impulse entstehen durch unsere lokale Fertigung, die wir Schritt für Schritt um neue Modelle erweitern. Seit April produzieren wir in Changchun den Audi Q3*.

Und seit dem Jahreswechsel ist unser Werk in Foshan am Netz. Dort fahren der Audi A3 Sportback* und bald auch die A3 Limousine* vom Band. Als einzige Premiummarke bieten wir zwei SUV-Modelle und drei Kompaktwagen aus lokaler Fertigung in China an.

Blicken wir nach Europa. Der westeuropäische Pkw-Gesamtabsatz dürfte 2013 die Talsohle erreicht haben. Seit dem Vorkrisenjahr 2007 ist der Markt um ein Viertel geschrumpft. Audi hat als einziger der drei großen Premiumanbieter dem Sog der Krise erfolgreich getrotzt – wir haben in dieser Zeit um fünf Prozent, und damit deutlich gegen den Markttrend, zugelegt. 2013 lieferte Audi insgesamt 732.000 Automobile in Europa aus. Das bedeutet: Europa ist erneut stärkste Verkaufsregion für Audi. Und umgekehrt: Audi ist verkaufsstärkste Premiummarke in Europa.

Wie lief das Geschäft in Nordamerika? Dort wächst die Audi-Fangemeinde weiter zweistellig. Wir haben von New York bis Honolulu unsere US-Verkaufszahlen um 13,5 Prozent auf knapp 160.000 gesteigert. In Nordamerika insgesamt waren es mehr als 190.000 Automobile. Dank hochwertiger Prestige-Produkte wie zum Beispiel dem A6*, dem A8* oder unseren RS-Modellen* konnten wir unsere Preisposition über die Jahre deutlich verbessern. Und auch bei den Restwerten glänzen wir mit überaus hoher Stabilität. Besonders beliebt sind bei den Amerikanern auch unsere SUV-Modelle. Der Audi Q5* verzeichnete in den USA einen Verkaufszuwachs von mehr als 40 Prozent; der Q7* legte gar mehr als 45 Prozent zu. Dieses Jahr erweitern wir unser SUV-Portfolio dort um den Audi Q3*.

Meine Damen und Herren,

der „Coup mit dem Q“ ist für Audi voll aufgegangen. Weltweit haben wir seit unserem Einstieg in das SUV-Geschäft 2006 mehr als 1,6 Millionen Q-Modelle ausgeliefert.

Und die Dynamik hält an: Hier wachsen wir aktuell drei Mal so schnell wie insgesamt.

Vergangenen Herbst haben wir Zuwachs für die Q-Familie angekündigt: Ab 2016 bieten wir mit dem Audi Q1 einen attraktiven Einstiegs-SUV unterhalb des Q3*.

15 neue Modelle und Derivate haben wir 2013 auf die Straße gebracht. Allen voran haben wir unsere A3-Baureihe* weiter ausgebaut. Dreitürer und Sportback sind bereits Marktführer in Europa – Limousine und Cabriolet werden uns weiteren Schub verleihen.  In der Oberklasse haben wir mit dem A8* ein „neues Glanzlicht“ gesetzt.

Er ist das erste Automobil mit innovativem Matrix-LED-Scheinwerfer. Diese Technik ist derzeit einzigartig in der Automobilindustrie. Und unseren Status als sportlichste Premiummarke haben wir mit vier neuen RS-Modellen* untermauert. Wir bieten heute mehr High-Performance-Modelle an als je zuvor. Und alle mit neuester Turboaufladung bei deutlich gesenktem Verbrauch.

Stichwort „Sport“: 2013 war eines der erfolgreichsten Jahre unserer Motorsportgeschichte. In der neuen Saison freuen wir uns darauf, in Le Mans jetzt auch mit Porsche unsere Kräfte zu messen. Ich kann Ihnen ein heißes Rennen versprechen.

Bleiben wir in der Konzern-Familie: Auch unsere italienischen Töchter waren 2013 sehr erfolgreich. Bei Lamborghini bedeuten 2.121 an Kunden ausgelieferte Supersportwagen den dritten Auslieferungsrekord in Folge. Und auch Ducati hat mit mehr als 44.200 verkauften Motorrädern die Bestmarke des Vorjahres übertroffen
– trotz aller Widrigkeiten auf dem Motorradmarkt.

Rechnet man zu unseren drei Marken die Automobile hinzu, die wir für andere Konzernmarken an Kunden übergeben haben, so haben wir vergangenes Jahr einen neuen Rekord-Umsatz von 49,9 Milliarden Euro erzielt. Beim Operativen Ergebnis erreichen wir einen Wert von mehr als fünf Milliarden Euro – trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in einigen unserer Kernmärkte. Gleichzeitig haben wir vergangenes Jahr 3,6 Milliarden Euro investiert – zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. So bereiten wir unserem zukünftigen Erfolg den Boden.

2013 stand vor allem im Zeichen der Expansion und damit neuer Standorte. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatten wir zehn Automobil-Produktionsstätten in neun Ländern. Heute sind es bereits zwölf in zehn Ländern, und wir produzieren 2014 erstmals mehr Automobile außerhalb Deutschlands als innerhalb. Bis 2016 kommen in Mexiko und Brasilien zwei weitere Standorte hinzu. Dann fertigen wir in allen Regionen, in denen wir mit einem überproportionalen Wachstum rechnen.

Ein Blick nach Mexiko: Audi ist der erste Premiumhersteller in diesem Land. Heute vor einem Jahr lag unser Gelände in San José Chiapa noch völlig brach – inzwischen nimmt das Werk Gestalt an. Wir stellen bereits einige Gebäude fertig.

Als eines der ersten nehmen wir dieses Jahr unser Trainingscenter in Betrieb, um unsere neuen Mitarbeiter zu schulen. Bis Jahresende werden mehr als 1.000 Mexikaner an Bord sein. Insgesamt schaffen wir in San José Chiapa Arbeit für 3.800 Menschen. Bis dato haben wir bereits mehr als das Zehnfache an Bewerbungen erhalten – also nahezu 40.000. Wir schaffen attraktive Arbeitsbedingungen mit umfassenden Weiterbildungsmöglichkeiten, hervorragender medizinischer Versorgung, Shuttle-Diensten zu umliegenden Verkehrsknotenpunkten und Arbeitszeitkonten, die einen individuellen Stundenausgleich ermöglichen – ein Novum auf dem mexikanischen Arbeitsmarkt.

Gut 7.000 Kilometer weiter südöstlich liegt Curitiba in Brasilien. Wir haben vergangenes Jahr beschlossen, dort ab 2015 die Audi A3 Limousine* zu fertigen.
Etwas später folgt der Q3*. Erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang ein Wort

zu den wirtschaftlichen Perspektiven der Schwellenländer. Dort gehe nach den Boom-Jahren die Angst um – so hieß es zuletzt. Denn die Abkehr der US-Notenbank von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik setzt Währungen und Wirtschaft dieser Länder unter Druck. Wir betrachten dies differenziert: Die dauerhaften Auswirkungen hängen weniger davon ab, ob ein Land grundsätzlich den Schwellenland-Status hat, sondern vielmehr, welche spezifischen Aufgaben es in seiner Wirtschaftsstruktur zu lösen hat.

Wir sehen Brasilien hier in einer langfristig sehr guten Position: Die Auslands- und Staatsverschuldung ist im Vergleich der Emerging Markets gering. Das Land ist reich an Rohstoffen und verfügt somit über zuverlässige Einnahmequellen. Es hat ein leistungsfähiges Bildungssystem, die Bevölkerung ist jung und die konsumfreudige Mittelschicht wächst. Die brasilianische Nachfrage nach Premium-Automobilen wird sich bis 2020 nach jüngsten Branchenstudien verdoppeln – manche sagen sogar nahezu verdreifachen. Dieses Marktpotenzial wollen wir für Audi nutzen. Mit dem Aufbau einer Produktion vor Ort schaffen wir die Voraussetzungen.

Die Fertigung bereits aufgenommen haben unsere beiden Werke im ungarischen Győr und in Foshan im Süden Chinas. Die A3-Fertigung* in Foshan habe ich eingangs schon angesprochen. In Győr haben wir im Juni unser neues Automobil-Vollwerk eröffnet. Nach A3 Limousine* und Cabriolet* läuft dort jetzt auch die Vorserienfertigung des neuen Audi TT*. Das Werk ist damit voll auf Betriebstemperatur.

Meine Damen und Herren,

der Mann, der diese Werkprojekte zum Erfolg geführt hat, wird uns in wenigen Wochen verlassen – mein Kollege Dr. Frank Dreves geht in den Ruhestand. Er hat die Produktion bei Audi nicht nur global aufgestellt, er hat mit der Einführung des Audi Produktionssystems auch dafür gesorgt, dass wir weltweit einen Top-Qualitätsstandard bieten. Und quantitativ haben wir unter seiner Ägide als Vorstand unsere Automobilproduktion um nahezu zwei Drittel gesteigert.

Lieber Herr Dr. Dreves,

Sie haben immer betont, dass so ein Pensum nur im Team zu schaffen ist. Und Sie haben diesen Spirit in Ihrer Produktionsmannschaft vorgelebt. Ich bin mir sicher, ich spreche für alle Audianer, wenn ich sage: Wir lassen Sie nur sehr ungern ziehen. Aber Sie haben sich Ihren Ruhestand nach einem derart intensiven Arbeitsleben von mehr als 30 Jahren bei Audi mehr als verdient. Dafür von Herzen alles Gute!

Bleiben wir bei den Menschen im Audi-Konzern: 2013 haben wir rund 6.400 neue Mitarbeiter eingestellt. Der größte Anteil entfällt auf Ingolstadt und Neckarsulm – mit mehr als 3.000 neuen Mitarbeitern, darunter rund 750 Jugendliche, die eine Ausbildung oder ein duales Studium bei uns aufgenommen haben. Zum Jahresende 2013 arbeiteten bei uns 73.751 Menschen.

Audi ist als Arbeitgeber heute attraktiver denn je. Jüngster Beleg ist eine gemeinsame Befragung des Magazins Focus und des Karrierenetzwerks Xing. 19.000 Teilnehmer haben die besten Arbeitgeber Deutschlands gewählt. Das Ergebnis: Platz 1 für Audi. Besonders ins Gewicht fiel bei der Studie, dass unsere Mitarbeiter Audi als Arbeitgeber gerne weiterempfehlen. Ich kann dieses Kompliment im Namen des Vorstands nur zurück geben: Ich würde unsere Audianer auch jederzeit weiterempfehlen, aber am liebsten behalten wir sie bei Audi. Denn diese Jahresbilanz ist ihr Verdienst.

Für ihre herausragende Arbeit erhalten Tarifmitarbeiter der AUDI AG in diesem Jahr erneut eine Top-Ergebnisbeteiligung von durchschnittlich 6.900 Euro.

Bevor ich das Wort an Herrn Strotbek übergebe, noch ein Wort zum Innovationstempo bei Audi. Hier schalten wir noch einen Gang hoch. Der Löwenanteil unseres neuen Investitionsprogramms fließt in die nächste Stufe unserer Produkt- und Technikoffensive. In wenigen Jahren haben wir 60 Modelle im Programm, wir untermauern unseren Führungsanspruch in Innovationsfeldern wie Lichttechnologie, Leichtbau, Vernetzung und pilotiertem Fahren, wir investieren in die Weiterentwicklung unseres quattro-Antriebs und unserer hocheffizienten High-Tech-Aggregate, und wir rollen unsere alternativen Antriebs-Angebote weiter aus. Dr. Ulrich Hackenberg wird darauf heute näher eingehen.

Vielen Dank.

Verbrauchsangaben der genannten Modelle:
Audi A1/S1:

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,2 - 3,8;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 166 - 99

Audi A1/S1 Sportback:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,3 - 3,8;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 168 - 99

Audi A3/S3:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,0 - 3,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 - 85

Audi A3/S3 Sportback:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,0 - 3,3;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 - 88

Audi A3/S6 Limousine:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,0 - 3,8;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 - 99

Audi A3/S3 Cabriolet:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 - 4,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 165 - 110

Audi A3 Sportback e-tron:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 1,5;
CO2-Emissionen kombiniert in g/km: 35

Audi A3 Sportback g-tron:
Kraftstoffverbrauch kombiniert: CNG 3,3-3,2 kg/100 km, Benzin 5,2 - 5,0 l/100 km
CO2-Emission kombiniert: CNG 92-88 g/km | Benzin 120 - 115 g/km

Audi A4/S4
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,1 - 4,0;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 190 - 104

Audi A4/S4/RS46 Avant
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 4,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 109

Audi A4 allroad quattro
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 -
5,8;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 164 - 153

Audi A6/S6
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,6 - 4,4;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 225 - 114

Audi A6/S6/RS6 Avant
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,8 - 4,6;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 229 - 119

Audi A6 allroad quattro
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,9 - 6,1;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 206 - 159

Audi A8/S8
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 11,3 - 5,9;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 264 - 155

Audi Q3/RS Q3
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,8 - 5,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 206 - 137

Audi Q5/SQ5
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,5 - 5,3;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 199 - 139

Audi Q7
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 7,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 189

Audi TT/TTS:
Das Fahrzeug wird noch nicht zum Kauf angeboten. Es besitzt noch keine Gesamtbetriebserlaubnis und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94/EG.
Vorläufige Werte: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 - 4,2;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 164 - 110

Lamborghini Huracán LP 610-4:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 12,5;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 290

Ducati Diavel:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 169

Ducati Monster 1200:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,4;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 150

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