Rede - Es gilt das gesprochene Wort -

Prof. Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG

Stuttgart, 10.04.2014

Keynote zum Kongress „Mobilität der Zukunft“
auto motor und sport

Prof. Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zur Keynote beim auto motor und sport Kongress 2014. Im 21. Jahrhundert haben wir viele Herausforderungen zu lösen. Und wir leben in einer Zeit, in der eine Smartwatch am Handgelenk hunderttausendmal so viel Leistungsvermögen hat wie seinerzeit der Bordcomputer der Apollo 11. Schauen Sie sich einmal an, wie viel Programmcode man braucht: 40.000 Programmzeilen für eine iPhone App, 5 Millionen Zeilen für eine Marsfähre, 12 Millionen für das Android Betriebssystem, 24 Millionen für ein F35 Kampfflugzeug  – und für die Steuerungs-Software eines modernen Autos bis zu 100 Millionen Zeilen Programmcode.

In 100 Millionen Zeilen steckt die geballte Logik für hunderte von Mikrocomputern an Bord eines Audi: für Motorsteuerung, Navigation, Kommunikation Sicherheits- und Assistenzsysteme. 100 Millionen Zeilen. Ausgedruckt ergäbe das einen Papierstapel – so hoch wie der Stuttgarter Fernsehturm. Der Kunde dagegen soll jede Funktion mit einem einzigen Knopfdruck steuern können, mit einem einzigen Sprachkommando mit einer einzigen Geste oder vielleicht eines Tages sogar mit einem einzigen Blick.

Wir sorgen dafür, dass alles rund ums Auto in Zukunft noch intuitiver wird. Nehmen Sie zum Beispiel Audi City. Das virtuelle Vertriebsformat in Peking, London und Berlin erlaubt Autokonfiguration mit Gesten, Multi-Touch und Körperbewegungen. Heute verfolgen mehrere Standorte rund um die Welt diese Veranstaltung live per Internet.

Mobilität bewegt uns alle – von der Spree bis zum Neckar. Und vom Han-Fluss in Südkorea bis zum Mystic River in Massachusetts. Vier Städte gehen beim Audi Urban Future Award 2014 ins Rennen: Seoul, Boston, Mexico City und Berlin. Sie treten ab sofort an, um ein halbes Jahr lang Mobilitätskonzepte für die Stadt der Zukunft zu entwickeln. Ich stelle Ihnen die Fragestellungen später noch vor.

Sehen wir uns erst den Claim unserer Audi Urban Future Initiative für das Jahr 2014 genauer an: Auto findet Stadt. Das klingt so simpel, ist doppeldeutig – und vor allem höchst interessant. Denn dahinter steckt eine ganze Philosophie, wie nach unseren Vorstellungen urbane Mobilität aussehen muss.

  • Erstens: Eine Branche ist auf der Suche und erfindet sich neu. Denn die Menschen wollen, dass das Auto auch in Zukunft seinen Platz hat. Weil individuelle Mobilität für unsere Gesellschaft unverzichtbar geworden ist. Deshalb gibt es keinen Zweifel: Das Auto findet auch in Zukunft statt. Über das „Wie“ sprechen wir heute noch. Denn hier gibt es aus Audi-Sicht entscheidende Rahmenbedingungen.
  • Zweitens: Viele Städte erfinden sich gerade neu. Städteplaner suchen nach nachhaltigen Konzepten für die Zukunft. Sie suchen nach dem nächsten Level für ihre Stadt – für das Arbeiten, Wohnen, Genießen, Leben der Menschen. Früher hätte man gesagt: Städte wollen diesen Bedürfnissen eine Heimat geben. Heute heißt es wohl: Städte schaffen Schnittstellen für eine verbesserte Lebensqualität.
  • Drittens: Automobil und Stadt bewegen sich aufeinander zu. Das ergibt auch Sinn, denn beide sind aufeinander angewiesen. Die Planungszeiträume beider Seiten – sei es für neue Technologien oder für Infrastrukturentwicklung – reichen heute gut und gerne bis ins Jahr 2030. Früher sprachen Verkehrsexperten von der „autogerechten Stadt“. Heute geht es stärker noch um das „stadtgerechte Auto“. Denn die Stadt muss lebenswert und liebenswert sein.

Das Auto sucht und findet die Stadt. Damit ist nicht nur die Navigation gemeint. Damit ist eine Symbiose gemeint, die essenziell ist – für unser aller Zusammenleben. Nach einer solchen Symbiose sucht die Audi Urban Future Initiative. Denn wir sehen es als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, weiter und vor allem voraus zu denken. Genau das ist die Mission der Teilnehmer unseres Awards 2014.

Denken Sie nur an Ampel-Schnittstellen, damit Autos die grüne Welle errechnen können. Denken Sie nur an künftige Parkhäuser, in die man von vornherein Ladesäulen für E-Autos integrieren sollte – oder noch besser: an Flächen zum induktiven Laden. Und da Platz in der Stadt wertvoll ist, schlagen wir auch vor, Bereiche in Parkhäusern für pilotiertes Parken zu errichten.

Unsere Checkliste für die Stadt der Zukunft wird ein Appell an die Städte, weiter zu denken. Es geht gar nicht so sehr um neue Hardware aus Asphalt und Beton. Vor allem geht es um die Logik der Stadt. Sie braucht gewissermaßen ein „Software-Update“. Im bisherigen Verständnis besteht eine Stadt aus einer Ansammlung von Immobilien. Wir bringen Mobilität und Immobilität zusammen. Mobilität soll in den Zukunftsplanungen stärker stattfinden. Denn Städte können ihre Probleme nicht dadurch lösen, dass sie Autofahrer einfach ausschließen. Das wird den Wünschen der Bewohner nicht gerecht. Planen Sie uns mit ein!

Die Gewinner unseres Mobilitätspreises 2012 – das amerikanische Team von Höweler + Yoon Architecture – standen genau vor einem Jahr an dieser Stelle. Beim Kongress von auto motor und sport haben sie einen „Shareway“ beschrieben. Auf dieser Mobilitätsplattform soll alles miteinander verschmelzen: Individueller und öffentlicher Verkehr teilen sich den Raum. Nach der Preisverleihung in Istanbul folgte ein City-Dossier für Boston – als Gebrauchsanleitung für diese Stadt der Zukunft. Unsere Forschung hat in Boston ergeben: Tagsüber befinden sich dort 41 Prozent mehr Menschen in der Stadt. Wir haben analysiert, wie sich Pendler durch diese Stadt bewegen. Und wie Technologien dazu beitragen können, effizient und komfortabel durch Boston zu kommen.

Laut unserem City Dossier gibt es drei Pendler-Typen: den Strap-Hanger, den Road Warrior und den Reverse Commuter.

  • Der Strap-Hanger nutzt mehrere Transportmittel, minutiös getaktet. Am Park-&-Ride-Standort stellt er sein Auto ab, fährt dann „öffentlich“ und geht das letzte Stück zu Fuß. Er könnte Audi connect nutzen und sich die Bus- oder Zugverbindungen im Auto anzeigen lassen.
  • Der Road Warrior wohnt in einem Vorort und pendelt mit dem Auto direkt ins Zentrum zur Arbeit. Er könnte das Auto vor dem Parkhaus abstellen, seine App parkt das Auto pilotiert, während er ins Büro geht.
  • Der Reverse Commuter lebt dagegen im Zentrum und fährt zur Arbeit an den Stadtrand oder ins Umland. Ein Drittel aller Pendler fährt morgens nicht in die Stadt, sondern heraus – antizyklisch und meist staufrei. Nur abends wird es eng, die letzten Kilometer durch den Feierabendverkehr sind ermüdend. Diese Pendler könnte unser Stauassistent im Stadtverkehr entlasten. Warum interessieren wir uns als Automarke so sehr für das urbane Leben? Weil wir es verstehen wollen.

Meine Damen und Herren,

in unserer Dienstleistungsgesellschaft finden 75 Prozent der Wertschöpfung heute in den Städten statt. Mobilität hat einen großen Anteil an diesem Phänomen. Gleichzeitig ermöglicht Mobilität für viele Menschen erst den Zugang zu Wohlstand. Ohne Mobilität käme es zum Stillstand unserer Wirtschaft. In anderen Worten: Mobilität ist die Geschäftsgrundlage unserer Gesellschaft.

Außerdem: Bis 2030 leben bereits zwei Drittel der Menschheit im urbanen Raum. Das Stadtleben ist ein zentrales gesellschaftliches Phänomen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden die Menschen nach einer aktuellen Studie dreimal so viel in der Stadt unterwegs sein. Menschen wollen viel bewegen und auch bewegt werden – nicht nur von A nach B, sondern vor allem auch emotional. Das Automobil wandelt sich dafür von der Fahrmaschine zur Wahrnehmungsmaschine. Was sehe ich? Höre ich? Fühle und erlebe ich?

Und global gesehen: Die Zahl der Megacities wächst rund um den Erdball kontinuierlich. Kennen Sie Tschungking – oder Chengdu? Nein? Allein in diesen beiden chinesischen Städten zusammen leben halb so viele Menschen wie in Deutschland. Mit den Megacities wächst die Komplexität bei der Suche nach Lösungen. Denn jede Stadt ist anders. In ihren Strukturen, in den Bedürfnissen ihrer Menschen.

Was viele Städte eint, ist folgendes Phänomen: Der Platz in der Stadt ist knapp. Zu wenig Lebensraum, zu wenige Wohnungen, zu wenige Erholungsflächen. Auch der Verkehrsraum geht regelmäßig zur Neige. Das sehen Sie tagtäglich an den Staus der Berufs-Pendler. Nehmen Sie Mexiko City. Östlich davon bauen wir gerade eine Autofabrik. In der City sind Sie gerne mal zwei, drei Stunden von einem zum anderen Ende der Stadt unterwegs. Pendler verschenken ein Zwölftel ihres Lebens im Stau. Das gleiche Bild in Brasilien. In Sao Paulo sind bereits 400 Helicopter als Taxis der Lüfte unterwegs, um Geschäftsleute zu wichtigen Terminen zu bringen.

Auch Parkraum ist knapp. Wenn Sie endlich am Ziel ankommen, fängt die große Suche an. Es gibt Stadteile in Berlin, da macht der Parksuchverkehr ein Drittel des gesamten Straßenverkehrs aus. Es gibt immer freie Plätze, nur: Sie zu finden ist die Kunst. Eine zentrale Parkraumsoftware würde freie Plätze voraussagen. Die einzige Lösung, mit knappen Ressourcen zurechtzukommen, ist, diese intelligent und hoch-effizient zu nutzen.

Nächstes Phänomen: Die Menschen in der Stadt haben wenig Zeit. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Das Premium von morgen ist ein Zugewinn an Zeit. Als Mobilitätsanbieter stecken wir daher viel Energie in die Frage: Wie können wir unseren Kunden Zeit zurückgeben? Indem wir sie schneller zum Ziel führen indem wir ihnen im Fall eines Staus einen Piloten anbieten, der sich um das Lenken, Bremsen und Gas geben kümmert und damit neue, wertvolle Zeit generiert. Das pilotierte Fahren bis 60 km/h bringen wir schon sehr bald in Serie. Der weltweite Verband der Ingenieure in New York geht davon aus, dass im Jahr 2040 drei Viertel der Autos pilotiert unterwegs sind. Das wird ein Megatrend!

Ein weiteres Phänomen: So anonym das Zusammenleben in einer Stadt auch sein mag, so groß ist das Bedürfnis ihrer Bewohner nach Vernetzung. Vielleicht nicht unbedingt mit dem direkten Nachbarn. Aber umso mehr in Peer Groups von Menschen mit ähnlichem Status oder ähnlichen Interessen. Deshalb wird das Automobil als Mobile Device eine ganz zentrale Schnittstelle. Wir vernetzen den Audi-Fahrer und seine Passagiere an Bord digital mit ihrer privaten und beruflichen Welt. Mit ihrer Musikbibliothek, ihren Kontakten, E-Mails, Facebook- und Twitter-Nachrichten. Wir integrieren Google Android  und Apple-Funktionalitäten ins Auto. Und wir vernetzen das Automobil mit seiner Umgebung, also mit anderen Autos und mit der Verkehrsinfrastruktur.

Auto findet Stadt, denn: Auto und Stadt bewegen sich aufeinander zu. Urbane Strukturen definieren die individuelle Mobilität von morgen. Nur mit intelligentem Städtebau und Mobilitätsplanung, einer erneuerten Infrastruktur und innovativen Technologien erreichen wir gemeinsam  den nächsten Effizienzsprung. Um Mobilität von morgen zu gestalten, diskutieren wir bei Audi ergebnisoffen mit Vordenkern aus aller Welt und aus verschiedensten Disziplinen.

Und das ist das erste Team unseres Awards 2014: Stellen Sie sich Somerville bei Boston vor. Einen Stadtteil, den der Bürgermeister komplett umwandeln will – von einem früheren Industriestandort in etwas Neues. Wir fragen uns, wie ein Mobilitätsmarkt in einer solchen Stadt aussieht, welche Technologien hier eine Rolle spielen. Und wie sich Infrastruktur entwickeln und vernetzen muss. Pilotiertes Parken oder Fahren zum Beispiel lassen sich nicht losgelöst vom städtischen Kontext planen. Außerdem interessiert die Amerikaner, wie wir Autos und Ampeln miteinander verknüpfen. Verkehrsexperten, Programmierer und Städteplaner simulieren Verkehrsströme und Verhaltenstrends von morgen. Das ist der Plan des Teams Boston.

Damit nach Südkorea. Dort will das zweite Team erforschen, wie Menschen auf einen zunehmend digitalisierten Stadtraum reagieren. In einer hochgradig medialen Welt entwickelt sich ein Premium-Lifestyle. Das ist ein gutes Lehrstück für uns auf dem Weg zu neuen Schnittstellen zwischen Mensch, Maschine und Stadt. Das Auto wird zum Kommunikationstool. Es wird dafür immer mehr Oberfläche nutzen: im Auto auf dem Auto und im Straßenbild. Schauen Sie sich heute im Gangnam-Viertel von Seoul um. Die ganze Stadt ist ein einziges Display – jedes Gebäude kommuniziert. Warum nicht auch mit dem Auto als Smart Display?

Trendscouts und Visualisierungs-Experten haben sich in Seoul zusammengefunden. Sie wollen ausloten, wie das Auto zum urbanen Interface wird. Und in einer Zeit von Wearable Technologies, von Technologie zum Anziehen, ist die Frage berechtigt: Brauchen wir eines Tages überhaupt noch Smartphones? Es gibt bereits Stimmen, die behaupten: Das Handy ist bald Schnee von gestern. Alles, was sich bewegt und eine IP-Adresse hat, soll ja schon bald in einem Internet of Everthying kommunizieren.

Damit zu Team drei nach Mexiko Stadt. La Reforma heißt eine der Hauptverkehrsadern dieser pulsierenden Metropole. Sie ist eine der längsten Straßen der Welt – und immer verstopft. Sie verbindet die wichtigsten Geschäftsviertel der 24-Millionen-Metropole. Genau dort stellen sich Datenspezialisten die Frage: Kann die individuelle Mobilität Probleme lösen, die sie selber verursacht hat? Herauskommen soll die erste Mobilitätsdatenbank dieser Metropole, die aufzeigt, wer – wie – täglich zur Arbeit pendelt. Das Team Mexico City nimmt sich das Santa Fe vor Geschäftsviertel. Jeden Tag pendeln mehr als 230.000 Menschen mit dem Auto in dieses Viertel. Das Ziel: Lösungen, damit Verkehr in dieser Stadt wieder Spaß macht.

Team vier in Berlin befasst sich schließlich mit der Frage, wie man Verkehrsmittel geschickt miteinander vernetzen und beispielsweise die so genannte „Letzte Meile“ überbrücken kann. Sehen Sie sich den ehemaligen Flughafen Tegel an. Er soll sich in einen hochmodernen Standort für Forschung, Industrie und Lehre verwandeln: „Urban Tech Republic“. Aber wenn – eines fernen Tages – der Flughafen nicht mehr in Betrieb ist, passen die Haltestellen auf der Passagierseite des Geländes nicht mehr zum Bedarf der Bürogebäude in mehreren Kilometern Entfernung. Entwickelt man dafür einen Zubringerdienst? Oder gibt es Ideen, wie ein Auto für die letzte Meile aussehen könnte? Die Anforderungen an ein Last Mile Car sind ganz andere: Wenn es stets nur 50 km/h schnell ist, kann es aus anderen Materialien bestehen, weil es andere Sicherheitsanforderungen erfüllen muss.

Wir lernen von allen Disziplinen in diesem Wettbewerb – selbst von Aufzug-Herstellern und deren Algorithmen. Dort gibt es Transit Manager, die Bewegungsströme vorausberechnen. Sie analysieren in allen Stockwerken Verkehrsströme von Aufzügen oder Rolltreppen. So können lernende Systeme entstehen, die sich selbst optimieren.

Auf solche Zukunftsideen kommt man nicht am Reißbrett. Sie entstehen durch die Vernetzung unterschiedlichster Disziplinen und durch genaue Analyse von Daten. Unsere Initiative packt Mobilität ganzheitlich an! Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, über welche Dimension wir bei der Mobilität der Zukunft sprechen, zwei eindrucksvolle Zahlen: Aktuell ist weltweit mehr als eine Milliarde Autos unterwegs. Bis zum Jahr 2030 könnte sich diese Zahl sogar verdreifachen. Tun wir nichts, dann multiplizieren wir unsere Probleme mit drei. Nehmen wir die Sache in die Hand, dann entsteht etwas völlig Neues.

Chris Anderson, Chefredakteur des US-Technologiemagazins Wired, gibt einen schönen Vorgeschmack auf diese Dynamik. Er erzählte uns: „Wenn ich heute zu meinem Kind den Satz sage ‚Ich fahre … mit meinem Auto … zum Arbeiten ins Büro’, dann wird daran in zehn Jahren kaum ein Wort mehr stimmen.“ Was meint er damit genau? Lassen Sie uns das einmal durchkonjugieren.

  • Fahre ich wirklich mit meinem Auto? Oder ist es zum Beispiel eines der bis zu drei Modelle pro Jahr, die ich mir per Flatrate vor die Tür stellen lasse? Denn: Eigentümer eines Autos zu sein ist schön. Drei Autos fahren können ist für viele vielleicht noch schöner. Ein Cabrio im Sommer einen Avant für den großen Familienurlaub ein SUV für den Winter zum Beispiel Das geht bei uns mit Audi select. Wir haben hier noch eine Reihe Ideen im Köcher.
  • Zweite Frage: Fahre ich ausschließlich mit dem Auto? Oder sind die Verkehrsträger bis dahin so intermodal vernetzt, dass ein Optimum aus Zeit Öko-Effizienz und persönlichem Komfort entsteht? Eine App wird dann zum zentralen Mobilitätsplaner, der mir vorausschauend auf Basis meines Kalenders und der aktuellen Verkehrslage empfiehlt, wann ich losfahre und womit ich bis wohin reise.
  • Dritte Frage: Fahre ich die ganze Zeit selbst? Oder nutze ich im Stau oder beim Einparken einen intelligenten Assistenten wie vorhin beschrieben?
  • Vierte Frage: Fahre ich zum Arbeiten ins Büro? Oder fängt das im vernetzten Automobil nicht schon beim Einsteigen an? Weil ich mich in meiner gewohnten digitalen Umgebung bewege. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden in beide Richtungen immer fließender sein.

 Wenn also ein einfacher Satz wie „Ich fahre mit meinem Auto zum Arbeiten ins Büro“ in zehn Jahren so nicht mehr gilt… dann zeigt uns das: Individuelle Mobilität wird in unserer digitalen Gesellschaft in einem Jahrzehnt auf den Kopf gestellt. Wir befinden uns nach mehr als einem Jahrhundert Automobilgeschichte aktuell in der größten Umbruchsphase unserer Industrie. Mit unserer Audi Urban Future Initiative haben wir viel dafür gelernt. Eine Reihe neuer Assistenten für den Stadtverkehr sind serienreif. Jetzt kommt es darauf an, dass Städte die Chancen erkennen und nutzen.

Wie gestaltet man Umbruch? Revolutionär oder evolutionär? Diese Frage beantworte ich so entschieden wie differenziert zugleich: Revolutionär entwickeln – evolutionär dem Kunden näher bringen. Wer Zukunft gestalten will, muss ergebnisoffen und technologieoffen an Themen herangehen.

Doch Zukunft kommt nicht plötzlich – oder mit einem Paukenschlag. Wenn wir uns vor Augen führen, dass Zukunft jeden Tag ein kleines Stück mehr Realität wird, dann heißt das: Um zum revolutionären Ziel zu gelangen, braucht es evolutionäre Einzelschritte.

Denn wir müssen, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Industrie, vor allem an den denken, für den wir das alles machen… den Kunden. Und der will auf die Reise mitgenommen werden. Er will erkennen, dass er mit einer neuen Lösung auf nichts zu verzichten braucht. Gelingt uns dies, dann können wir Kunden auch für neue Durchbruchstechnologien begeistern.

Das ist der Grund, warum wir bei Audi seit Jahren immer und immer wieder folgende Position vertreten: Elektrische Antriebe sind neben den hocheffizienten Hightech-Motoren aus dem TDI- und TFSI-Lager eine Disziplin, die uns bei der aktuell größten Aufgabe unserer Industrie helfen sollen – effizientere Autos zu bauen, mit weniger Verbrauch und weniger CO2-Emission, für mehr Klimaschutz. Bis hierher sind wir uns wahrscheinlich alle einig.

Doch nur das verkaufte Auto zählt – auch in der CO2-Flottenberechnung der EU. Nicht das Auto im Schaufenster. Und jede junge Technologie durchlebt bei ihren ersten Schritten einen Leidensweg. Jeder Ingenieur weiß, wovon ich spreche. Und es ist insbesondere für einen Premiumanbieter nicht akzeptabel, dem Kunden Kompromisse abzuverlangen: Bei der Reichweite – denken Sie nur an die heutigen Batteriekapazitäten. Bei der Sicherheit – an Bord herrscht Hochspannung. Bei der Langzeitqualität – denken Sie nur an die Lebensdauer der aktuell verfügbaren Batterien – und was ist danach? Bei der Convenience – wo steht gleich wieder die nächste Ladesäule? Und auch emotional – es gibt dem Kunden schon ein gutes Gefühl, ein rundum alltagstaugliches Auto zu haben.

Keine Kompromisse. Wir wollen die Welt verändern – aber nicht das Leben unserer Kunden. Er soll uneingeschränkt all das tun können, was er will. Dafür sind wir da: Die Usability zu bieten, die ein Autofahrer erwartet. Deshalb haben wir uns bei Audi ganz klar für Plug-in-Hybride entschieden. Die typische Tagesreichweite fahren Sie elektrisch emissionsfrei. Doch Sie haben jederzeit die Gewissheit, mit dem TFSI-Motor auch deutlich mehr als 900 Kilometer weit zu kommen. Beim A3 e-tron mit einem Normverbrauch von 1,5 Liter, was 35 Gramm CO2 bedeutet.

Die e-tron Strategie gibt uns beim heutigen Stand der Technik und in der aktuellen Marktphase die Chance, unsere Effizienztechnologien in der gesamten Modellpalette anzubieten. Wir bringen ab jetzt deshalb jedes Jahr ein weiteres e-tron Modell auf den Markt.

Und wir denken an die Autofabrik der Zukunft. Zum Beispiel brauchen wir kein eigenes Elektroauto-Werk, sondern integrieren die e-tron-Autos in die gleiche Fertigungslinie wie die übrigen Modelle. Damit produzieren wir kosteneffizient und nachfragegerecht. 100 Prozent am Kunden orientiert. Und der Markt gibt uns Recht. Wenn Markt und Technik reif dafür sind, bringen wir rein batteriebetriebene Elektroautos auf die Straße. Mit einer neuen Interpretation von Elektromobilität. Autos, die sexy sind. Autos, die induktiv laden. Autos, die sportlich und effizient zugleich sind. Und vor allem: Autos, die sich mit der Stadt der Zukunft vernetzen. Dann findet Auto Stadt.

Was haben wir in der Audi Urban Future Initiative bislang erreicht – und wie geht es weiter? 2010: ein ergebnisoffener gesellschaftlicher Diskurs zur urbanen Mobilität. 2012 haben wir fünf Metropolregionen genauer untersucht und eine Gebrauchsanleitung für die Mobilität in Städten entworfen. 2014 rufen wir eine neue Agenda für die urbane Mobilität der Zukunft aus. Denn wir müssen mit Denkmustern brechen – Autoindustrie und Städte gleichermaßen.

  • Erstens: Heben wir die Grenze zwischen Mobilität und Immobilität auf. Der Fortschritt liegt darin, dass unsere Technologien nicht nur dem Auto, sondern auch der Stadtentwicklung dienen. Es gilt nun, die Innovationen in die Infrastruktur der Städte einzuplanen.
  • Zweitens: Erkennen wir an, dass das Leben heute real und virtuell zugleich ist. Unsere Städte müssen die Schnittstellen zur Virtualität schaffen. In einer Welt des Internet of Everything wird das Auto mit allen diesen Objekten kommunizieren und unser Leben einfacher machen.
  • Drittens: Sehen wir keinen Gegensatz zwischen Individualität und Kollektivität. Das Auto kann mit seinen individuellen Eigenschaften die Lücken im städtischen Mobilitätssystem schließen. Die Individuelle Freiheit des Einzelnen und seine Verantwortung für die Gemeinschaft gehören zusammen – das eine setzt das andere voraus.
  • Viertens: Stellen wir Fortschritt und Nachhaltigkeit nicht in einen Widerspruch. Mehr noch: Gerade durch technologischen Fortschritt bringen wir mehr Nachhaltigkeit in unsere Städte. Weniger Lärm, saubere Luft, mehr Lebensraum, mehr Lebensqualität – das ist unsere Vorstellung von Mobilität der Zukunft.

Wir rufen diese vier Themen auf die Agenda, weil wir sie in unserer Audi Urban Future Initiative in den letzten Jahren als essenziell erkannt haben. Als Showcases für die vier Themen dienen unsere Wettbewerbs-Städte 2014. Boston für Mobilität und Immobilität – Seoul für Realität und Virtualität – Berlin für Kollektivität und Individualität – und Mexiko-Stadt für Fortschritt und Nachhaltigkeit.

Mobilität der Zukunft ist keine Frage von Ideologien. Die deutsche Auto-Industrie braucht eine konzertierte Agenda mit den Städten. Es ist ein komplexes Thema. Die Agenda erfordert sicherlich Mut zu Vorsprung. Doch niemand kann die Herausforderung „Auto findet Stadt“ alleine lösen. Mobilitätsrevolution ist das große Chancenthema des 21. Jahrhunderts. Lassen Sie uns diese Revolution an der Wiege des Automobils gemeinsam starten! Vielen Dank.

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Keynote zum Kongress „Mobilität der Zukunft“
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