Rede - Es gilt das gesprochene Wort -

Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstands der AUDI AG

Ingolstadt, 22.05.2014

Rede anlässlich der 125. Ordentlichen Hauptversammlung der AUDI AG 2014

Teil 1

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur 125. Ordentlichen Hauptversammlung der AUDI AG. Heute darf ich Sie, im Namen des gesamten Vorstands, in Ingolstadt begrüßen.

Wir ziehen heute gemeinsam mit Ihnen Bilanz über das Geschäftsjahr 2013, das für uns sehr anspruchsvoll, doch in Summe sehr erfolgreich war.

Der Gegenwind in Europa war stürmisch. Der Wettbewerb hat uns scharf attackiert. Und oben drauf haben wir einen Extra-Sprint hingelegt: Wir sind vergangenes Jahr ordentlich in jene Vorleistung gegangen, die wir als kritisch für unseren nachhaltigen Erfolg sehen.

Wir geben Ihnen heute auch einen Ausblick, was 2014 in unseren Büchern stehen könnte: Wie wir unser Unternehmen auch dieses Jahr auf Erfolgskurs halten. Neben unserer finanziellen Performance berichten wir von unseren massiven Globalisierungsschritten, von unserer zweiten Modelloffensive und vom anhaltenden Volumenwachstum unseres Unternehmens.

Beginnen wir mit der Bilanz für das Jahr 2013: Bei den Audi-Auslieferungen haben wir die Marke von 1,5 Millionen deutlich übertroffen! Was wir uns für 2015 ins Lastenheft geschrieben hatten, haben wir schon vergangenes Jahr in die Tat umgesetzt! Das zeigt: Audi ist heute beliebter als je zuvor. In nur vier Jahren haben wir mehr als 600.000 Kunden hinzugewonnen.

Werfen wir einen Blick auf unsere Top-Märkte: Wachstumstreiber sind besonders die Märkte in Übersee. In China alleine stehen fast 492.000 Auslieferungen zu Buche, gut ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Unser Vorsprung im Reich der Mitte war 2013 so groß wie noch nie!

Wichtige Impulse entstehen durch unsere lokale Fertigung, die wir Schritt für Schritt um neue Modelle erweitern. In China sind wir die Premiummarke mit der breitesten Modellpalette aus lokaler Fertigung: Den Audi A6 L, A4 L, Q5*, Q3* und A3 Sportback* produzieren wir vor Ort.

Auch in Nordamerika sind die Vier Ringe stark unterwegs. Dort wuchs die Audi-Fangemeinde 2013 erneut zweistellig. Damit überschreiten wir in den USA zum ersten Mal die 150.000 Einheiten – und toppen die Bestmarke des Vorjahres!

In Europa haben auch wir 2013 die gesamtwirtschaftlich schwierige Situation zu spüren bekommen. Die gute Nachricht: Audi hat als einziger der drei großen Premiumanbieter dem Sog der Krise erfolgreich getrotzt. Wir haben in diesem Zeitraum in Europa um fünf Prozent, und damit deutlich gegen den Markttrend, zugelegt. 2013 lieferte Audi insgesamt 732.000 Automobile in Europa aus. Das bedeutet: Europa ist erneut stärkste Verkaufsregion für Audi. Und umgekehrt: Audi ist verkaufsstärkste Premiummarke in Europa.

2013 haben wir 15 neue Modelle und Derivate auf die Straße gebracht. Allen voran haben wir unsere A3-Baureihe* weiter ausgebaut. In Europa ist sie bereits Marktführer –  und Limousine und Cabriolet werden uns weiteren Schub verleihen. 

In der Oberklasse haben wir mit dem A8* ein „neues Glanzlicht“ gesetzt. Er ist das erste Automobil mit innovativen Matrix-LED-Scheinwerfern. Diese Technik ist derzeit einzigartig in der Automobilindustrie. Mit der neuen Version des A8 stärken wir die Oberklasse.

Auch die Q-Strategie ist für Audi voll aufgegangen. Weltweit haben wir seit unserem Einstieg in das SUV-Geschäft 2006 bis heute rund 1,7 Millionen Q-Modelle ausgeliefert. Die Erfolgs-geschichte werden wir fortschreiben. Vergangenen Herbst haben wir Zuwachs für die Q-Familie angekündigt: Ab 2016 runden wir mit dem Audi Q1 unser SUV-Angebot nach unten ab. Wir werden systematisch Lücken in unserem SUV-Portfolio schließen und so weitere Marktchancen in diesem Segment nutzen. Unseren Status als sportlichste Premiummarke haben wir mit vier neuen RS-Modellen untermauert.

Stichwort Sport: 2013 war eines der erfolgreichsten Jahre unserer Motorsportgeschichte. Die Motorsportsaison hat gerade wieder begonnen. In der DTM sind wir am Hockenheimring erfolgreich gestartet. Und auch in Oschersleben konnten wir punkten.

In der WEC haben wir mit Porsche und Toyota starke Wettbewerber. Das neue Reglement ist eine zusätzliche Herausforderung – die unsere Mannschaft mit Ehrgeiz angeht. Am 14. Juni geht es nach Le Mans – unser Ziel ist klar: Wir treten an, um erneut zu siegen!

Bleiben wir in der Konzern-Familie: Auch unsere italienischen Töchter waren 2013 sehr erfolgreich. Lamborghini erzielte mit 2.121 ausgelieferten Supersportwagen den dritten Auslieferungsrekord in Folge. Und auch Ducati hat die Bestmarke des Vorjahres übertroffen – mit mehr als 44.200 verkauften Motorrädern – trotz aller Widrigkeiten auf dem Motorradmarkt.

Insgesamt haben wir im Audi-Konzern 2013 einen neuen Rekord-Umsatz von 49,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Beim Operativen Ergebnis erreichen wir einen Wert von mehr als fünf Milliarden Euro – trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in einigen unserer Kernmärkte. Gleichzeitig haben wir vergangenes Jahr 3,6 Milliarden Euro investiert – zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. So bereiten wir unserem weiteren Erfolg den Boden.

2013 stand im Zeichen der Expansion und damit neuer Standorte. Noch vor gut einem Jahr hatten wir zehn Automobil-Produktionsstätten in neun Ländern. Heute sind es mit dem Automobil-Vollwerk im ungarischen Győr und dem Werk in Foshan, im Süden Chinas, zwölf in zehn Ländern. Dieses Jahr bauen wir erstmals mehr Autos im Ausland als zu Hause.

Die jüngsten Weichenstellungen stärken dieses Produktionsnetzwerk: Die CKD-Fertigung in Brasilien nehmen wir ab 2015 in Betrieb. Zudem haben wir das Audi-Vollwerk für Nordamerika entschieden: Ab 2016 produzieren wir in Mexiko den Audi Q5*. Die Entscheidung für einen Standort auf diesem Kontinent liegt auf der Hand: Wollen wir uns auf dem US-Markt durchsetzen, brauchen wir mehr Modelle, kürzere Lieferzeiten und mehr Flexibilität. Mit dieser Lokalisierung machen wir uns unabhängiger von Wechselkurs-Schwankungen – was alleine schon Ergebnispotenziale mit sich bringt – und wir profitieren zugleich von mehreren Freihandelszonen. Wir exportieren dann zollfrei in die USA, nach Lateinamerika, Japan und auch zollfrei nach Europa!

Unsere Bauarbeiten in Mexiko gehen zügig vorwärts. Gleichzeitig treiben wir die notwendige Qualifizierung voran. Derzeit führen wir die Schulungen in Zusammenarbeit mit dem VW Instituto in Puebla durch. Im September eröffnen wir das Audi-Trainingscenter in San José Chiapa. Außerdem geht es darum, die jeweils besten Partner für unsere Innovationsvorhaben zu identifizieren und starke Lieferantenstrukturen aufzubauen. „Globalisierung durch Lokalisierung“ heißt das Stichwort. Ein Lieferantenpark in Werknähe ist eine wichtige Arbeitsgrundlage für unsere Partner vor Ort. Vor einer Woche war Spatenstich. Wir haben versprochen, bis zum Produktionsstart des Q5* zwei Drittel der Bauteile in Mexiko zu lokalisieren. Mittelfristig zielen wir sogar auf 90 Prozent, um sämtliche Potenziale zu schöpfen. Drei Viertel der Wertschöpfung sind bereits vergeben.

Gut 7.000 Kilometer weiter südöstlich liegt Curitiba in Brasilien. Wir haben vergangenes Jahr beschlossen, dort ab 2015 die Audi A3 Limousine* zu fertigen. Etwas später folgt der Q3*. Die brasilianische Nachfrage nach Premium-Automobilen wird sich bis 2020 nach jüngsten Branchenstudien verdoppeln. Dieses Marktpotenzial wollen wir für Audi nutzen.

Kommen wir zu den Menschen im Audi-Konzern: 2013 haben wir rund 6.400 neue Mitarbeiter eingestellt. Der größte Anteil entfällt auf Ingolstadt und Neckarsulm – mit mehr als 3.000 neuen Mitarbeitern, darunter rund 750 Jugendliche, die eine Ausbildung oder ein duales Studium bei uns aufgenommen haben. Zum Jahresende 2013 arbeiteten bei uns 73.751 Menschen.

Das ist die Mannschaft, die unsere erfolgreiche Jahresbilanz erarbeitet hat. Diesem Team gebührt unser Dank und unsere Anerkennung für die starke Leistung im Jahr 2013.

Für ihre herausragende Arbeit haben Tarifmitarbeiter der AUDI AG in diesem Jahr erneut eine Top-Ergebnisbeteiligung von durchschnittlich 6.900 Euro erhalten.

Meine Damen und Herren,

bevor ich das Wort an Herrn Strotbek übergebe, noch ein Wort zum Innovationstempo bei Audi.

Hier schalten wir einen weiteren Gang hoch. Der Löwenanteil unseres Investitionsprogramms fließt in die zweite Stufe unserer strategischen Modelloffensive.

Die erste Stufe haben wir zu Beginn des Jahrzehnts gestartet: Audi A4-Familie* mit Limousine*, Avant* und allroad* sowie A5 Coupé*, Sportback* und Cabriolet*. Den Audi Q5 haben wir weltweit ausgerollt – ein regelrechter Boost für unser SUV-Segment! Der Audi Q3 – bislang unser Einstiegsmodell im SUV-Bereich. Und der A1*, der zeigt, dass Premium keine Frage von Größe ist.

Nun zünden wir die zweite Stufe. Die neue Generation des Modularen Längsbaukasten spielt hier eine zentrale Rolle. Er ist Grundlage der Segmente B bis D und kommt im gesamten Volkswagen-Konzern zum Einsatz – und zwar in 23 Modellen.

Neu ist unter anderem, dass wir den MLB jetzt auch für SUV-Modelle der oberen Segmente nutzen. Der neue Audi Q7* macht den Anfang. Und wir werden die Q-Familie weiter auffächern.

In drei Jahren wird jeder dritte Audi weltweit ein Q-Modell sein!

Die einheitliche Grundarchitektur des MLB sichert uns maximale Flexibilität – auch im Hinblick auf unsere Antriebstechnologien: Der Baukasten ist sowohl für unsere klassischen wie auch alternativen Antriebe ausgelegt. So bringen wir die e-tron-Technologie systematisch in die Mittel- und Oberklasse. Darüber hinaus erlaubt uns diese modulare Entwicklungsstrategie auch, e-tron-Modelle in bestehenden Fertigungslinien zu produzieren. Diese drei Beispiele zeigen: Der Baukasten ist zukunftsfähig – in jeder Hinsicht.

Gleichzeitig untermauern wir unseren Führungsanspruch in Innovationsfeldern wie Leichtbau, Lichttechnologie und Vernetzung. Beispiel Connectivity: Hier setzen wir branchenweit Maßstäbe!

Ein Audi ist das schnellste Mobile Device, das auf dem Markt zu finden ist. Die Vernetzung mit der Umgebung, Infrastruktur und anderen Automobilen steht dabei unter dem klaren Zeichen von Verkehrssicherheit und einem besseren Verkehrsfluss auf der Straße.

Der nächste Schritt ist das pilotierte Fahren. Auf dem Weg zu einem internationalen rechtlichen Rahmen dafür gab es vergangene Woche bei den Vereinten Nationen große Fortschritte. Sehr bald in den nächsten Jahren planen wir den Serieneinsatz mit einer Geschwindigkeit bis 60 Stundenkilometer. Als Basis dienen Fahrerassistenzsysteme, die wir heute schon in Serie anbieten. Wir bündeln alle Funktionen in einem Steuergerät, dem sogenannten zFAS Board. ZFAS steht dabei für „zentrales Fahrerassistenzsteuergerät“. Was vor einem Jahr noch einen ganzen Kofferraum belegte, ist künftig so groß wie ein Tablet Computer.

Meine Damen und Herren,

dies sind nur einige Highlights unserer Innovationsroadmap – unser Fahrplan für den Vorsprung durch Technik. Die Leitplanken für all unsere Vorhaben setzt dabei unser Anspruch an Effizienz und Nachhaltigkeit. Das zeigt unser Bekenntnis zum Volkswagen-Konzernziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bis 2020.

20 Prozent des aktuellen CO2-Zielkorridors erreichen wir, indem wir weiter optimieren: Bei Gewicht, Roll- und Luftwiderstand. Weitere 30 Prozent erschließen wir mit alternativen Antrieben wie Plug-in-Hybrid, Erdgas, batterie-elektrischem Antrieb und Brennstoffzelle.

Mit unseren klassischen Hochleistungs-Verbrennungsmotoren schaffen wir den Großteil der übrigen CO2-Emissionen. Dazu bauen wir auf unsere langjährige Erfahrung als Pioniere der aufgeladenen direkteinspritzenden Motoren und investieren weiter in unsere hoch effizienten Aggregate. Ein Beispiel: Beim Wiener Motorensymposium vor zwei Wochen haben wir zum Jubiläum „25 Jahre TDI“ die neue Generation unserer V6 TDI Motoren vorgestellt.

Damit steigern wir Fahrleistung und Laufkultur weiter: Die neue Motoren-Generation geht mit bis zu 272 PS an den Start. Gleichzeitig senken wir mit dem neuen V6 TDI die CO2-Emissionen um bis zu 16 Gramm pro Kilometer.

Meine Damen und Herren,

als global agierendes Unternehmen wissen wir sehr genau um unsere Verantwortung:

für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Region, in der wir arbeiten und leben und für Umwelt und Gesellschaft. Bei Audi arbeiten wir an der Zukunft – mit Innovationen, und mit unseren Werten. Nachhaltigkeit ist in unserem Selbstverständnis fest verankert und Maßgabe unseres unternehmerischen Handelns. Diesen Anspruch verfolgen wir bei unseren Produkten und Prozessen über die gesamte Wertschöpfungskette. Daher haben wir auch dieses Jahr – als erster Premium-Automobilhersteller – unseren Corporate Carbon Footprint zertifizieren lassen. Mit dem CO2-Fußabdruck machen wir unsere unternehmensweiten Treibhausgas-Emissionen transparent. Damit können wir CO2-Emissionen noch gezielter analysieren und wirksamer reduzieren. Weitere Aktivitäten und Ziele des Audi-Konzerns haben wir 2012 in unserem Corporate Responsibility Report veröffentlicht. Maßnahmen und Kennzahlen für 2013 liegen Ihnen heute aktualisiert vor.

Verbrauchsangaben der genannten Modelle

Audi A1:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,3 - 3,8
CO2-Emission kombiniert in g/km: 168 - 99

Audi A3:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 - 3,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 165 - 85

Audi A3 Sportback:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7 - 3,3
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 - 88

Audi A3 Limousine:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7 - 3,3
CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 - 88

Audi A4:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 4
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 104

Audi A4 Limousine:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,4 - 4
CO2-Emission kombiniert in g/km: 178 - 104

Audi A4 Avant:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 4,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 109

Audi A4 allroad quattro:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 - 5,6
CO2-Emission kombiniert in g/km: 164 - 145

Audi A5 Sportback:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,7 - 4,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 179 - 109

Audi A5 Coupé:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,5 - 4,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 246 - 109

Audi A5 Cabriolet:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 4,7
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 123

Audi A8:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 11,3 - 5,9
CO2-Emission kombiniert in g/km: 264 - 144

Audi Q3:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,8 - 5,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 206 - 137

Audi Q5:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,5 - 4,9
CO2-Emission kombiniert in g/km: 199 - 129

Audi Q7:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,7 - 7,2
CO2-Emission kombiniert in g/km: 249 - 189

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Verfügbare Dokumente

Rede Rupert Stadler zur Hauptversammlung 2014 - Teil 1
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